Hallo Pilzprophet :
und schöne Grüsse an alle Mitleser!
Meine Ehrfahrungen und Tipps zu deinen Fragen:
1. Wann weiss ich, dass es losgeht?
1.1. Ist in jedem Jahr unterschiedlich, das weiss vorher nur der Pilz- und Wettergott, mal früher mal später, mal viele Pilz-FK, mal weniger, hängt auch von der Naturbelassenheit Gesundheit der Bäume ab.. Es kann aber beim Reticulatus durchaus mehrere Wachstumsperioden geben, manchmal zwei oder drei.
Wenn es wie zum Beispiel vor zwei oder drei Jahren es im September lange warm bleibt, kann der Sommersteinpilz durchaus nochmal auch Ende September aus allen Rohren spriessen!
Deshalb hate ich von diesen allgemeinen Kalenderangaben aus der Literatur überhaupt nichts ("Anfang Mai bis Anfang August" und ähnliches, gilt auch für alle anderen Pilze)
1.2 Ich mache Kontrollgänge (erstmal um zu sehen ob "meine Stellen" überhaupt noch existieren, oder nicht inzwischen von der nachhaltigen und klimafreundlichen Forstwirtschaft gekillt wurden). Ich hatte nur zwei Stellen für den B. Reticulatus , eine ist schon vor drei Jahren unnötigerweise zerstört worden (gefällte Buchen und Eichen wurden einfach liegengelassen, keine Verwertung), bleibt zur Zeit nur die letzte, einzige Stelle.
1.3 Was ich aber auch mache ist mehrere Pilzforen, nicht nur dieses , so oft wie möglich zu konsultieren. Um dann durch Fundmeldungen anderer zu wissen, dass die Chancen steigen.
Ich will jetzt hier keine Webung für andere Pilzseiten machen, auf Nachfrage könnte ich sie nennen, falls notwendig/erlaubt.
Grunsätzlich war es immer so:
-wenn es andere Fundmeldungenaus BaWü gab auch von Wäldern aus 50 -100 km Entfernung ( die ich nicht kenne oder besuchen würde), hab auch ich auch "bei mir" früher oder später was gefunden. Manchmal habe ich auch vor den Fundmeldungen anderer was gefunden.
-es geht meistens - nicht immer- im Südwesten und der Schweiz zuerst los, dann ein paar Tagen/Wochen später in NRW, im Norden oder Osten. Das ist wie bei der Kirschbaumblüte oder Apfelbaumblüte, fängt meistens in der Nähe von Freiburg an, stzt sich dann nach Nordosten fort.
2. Thema: Tagesszeit zum Sammeln / Wachstumsverhalten d. Sommersteinpilzes
Ich gehe aus verschiedenen Gründen nie früh Morgens in den Wald (werktags würde ich auch nie vor der Arbeit in den Wald, und am Wochenende will ich auch nicht gemeinsam mit den Frühaufstehern dort sein), ich gehe fast immer nachmittags / nach Feierabend. Und habe dann auch immer andere frisch nachgewachsenen Exemplare gefunden, obwohl wahrscheinlich am Morgen "alles leergesammelt" wurde.
Deshalb kann ich nur bestätigen, dass - nicht nur die Steinpilze - rund um die Uhr (nach)wachsen- und:
- keineswegs nur am Abend in der Nacht anfangen, damit die Frühaufsteher allein ein volles Buffet haben
- und, dass unter günstigen Bedingungen am gleichen Tag innerhalb weniger Stunden kleine, von den Frühaufstehern übersehene Exemplare schon mittelgroß weren können.
Und das sind ja auch die besten, die kleinen und mittelgrossen, (Maden-Wahrscheinlichkeit geringer).
Mach es wie du es willst.
3. Thema Edulis / Reticulatus an gleicher Stelle, unmittelbarer Nähe:
JA, gibt es!
Edulis wächst ja auch unter Eichen, und zum Glück ist diese einzige Reticulatus-Stelle die ich kenne so Beschaffen, dass sie Sich mit einer Edulis-Stelle teilweise überlappt.
Auch von der Jahresszeit können sie sich überschneiden, da B. edulis manchmal schon im Juli/August einige Fruchtkörper ans Tageslicht schickt, und wie gesagt, manchmal der Sommersteinpilz einen späten Herbstschub nachlegt. Die nehmen sich nichts weg, gegenseitig, Eichen und Buchen bieten ihnen genug Nahrung, und Dutzenden anderen Pilzen gleichzeitig.
Das passiert nicht häufig, höchstens an ein paar wenigen Tagen im Jahr, aber am gleichen Tag an gleicher Stelle (bzw. in unmittelbarer Nähe) Edulis und Reticulatus (und evtl. auch Grüngefederte- oder andere Täublinge und Flockis) ist schon mit das Schönste was man pilzmässig erleben kann.
4. Thema Verbreitung an anderer Stelle durch Transport.
Dieses Thema interessiert mich seit langem auch, und ich habe - nicht hier, in einem anderen Forum extrem präzise, (mehrere) Fragen grstellt. Die Antworten waren leider ABSOLUT ENTTÄUSCHEND, die wirklichen Experten gab es nicht, oder haben nichts beantwortet, obwohl es nur zu diesem Thema konnexe präzise Fragen gab, wo es 100%-ig Expertise gibt. (meine Fragen waren gegliedert und gezielt, z.Bsp. Absporverhalten/ Fruchtkörper wo am besten platzieren (unten/ oben im gezweig), ob man eher unter jüngeren oder älteren nicht infizierten Baumbeständen etc.)
Die anderen Antworten waren die allermeisten nach dem Motto: "warum interessiert dich das?", "lohnt sich nicht", "bringt eh nix", . Es gab nur einen, in einem anderen Thread, der genau beschrieben hat wie er Pilze in benachbarte ähnliche Waldgebiete gezielt durch Transport weiterverbreitet.
Ich werde da auch nachbohren, bei Gelegenheit.
Jedenfalls sag ich dir was ich gemacht habe und wie ich das sehe.
4.1. Ich hab auch seit zwei drei Jahren überständige Boleten, aber auch Täublinge, einfach mal so an anderer -bisher nicht infizierter - Stelle, abgesetzt, manchmal oben, manchmal unten. Kurzfristige pesönliche Vorteile waren ja nicht meine Absicht, sondern nur den besten Pilzen nebenbei bei der Vehrmehrung zu helfen. Nicht "für mich, Schnell"! das habe ich nie im Sinn gehabt, unterstelle es auch Dir nicht Pilzprophet . Man muss auch wirklich längerfristige nicht eigennützige Themen noch diskutieren können.
Egal was andere gesagt oder - in diesem Fall richtiger- NICHT GESAGT haben, und egal wie weniger Experte ich dazu sein möge, ist meine feste autodidakte Meinung dazu:
4.2. Ja! es lohnt sich auf jeden Fall, das zu machen, durch Weitertransport hilft man den Sporten. Die Sporen verbreiten sich durch den Wind. Deshalb würde ich sie eher oben im Gezweig als unten an der Wurzel lassen. Auch wegen den Nacktschnecken. Der grösste Konsument von speziell Steinpilzen bei uns sind die Nacktschnecken, das garantier ich Dir, dass die den besten Geruchssinn im Tierreich haben, die riechen einen jungen 10 Stunden alten (Stein)Pilz auf 50m Entfernung und bewegen sich nach Geruch auf ihn zu.
Zum Schluss noch ein Ratschlag: es gibt nicht nur Boleten, schau mal was mit den Täublingen, Raufüssen, Flockis etc. los ist.
Und vergiss die Pfifferlinge nicht. Die mögen die gleichen Eichen/Buchen.
Viel Erfolg und Schöne Grüsse an alle!