Hallo Pilzfreunde,
wir hatten am Wochenende die Möglichkeit den Schwefelporling zu testen.
Wir haben ihn auf Eiche gefunden. Bittere, herbe oder säuerliche Geschmacksnoten konnten wir bei allen Rezepten, die wir probiert haben überhaupt nicht feststellen. Wir haben den Pilz nicht abgekocht, aber bei allen Rezepten mindestens 10 Minuten oder länger bei ca. 100 Grad Hitze gehalten (mit Thermometer überprüft). Wir waren zu zweit und jeder hat schätzungsweise 400g Frischpilz verzehrt. Negative Reaktionen hatten wir nicht.
Wir haben folgende Rezepte ausprobiert:
1. Gebraten als Fleischersatz in einem Pilzdöner: In dünne Scheiben geschnitten und ausgiebig in der Pfanne gebräunt mit Fladenbrot, Tomate, Gurke Yoghurt. Er schmeckt hier üblich pilzig, ich würde sagen ähnlich wie ein gebräunter Pfifferling. Relativ unspektakulär. Richtig fleischartig schmeckt er nicht, und auch die Konsistenz wird beim Bräunen nicht wie Fleisch, sondern wie gesagt eher wie ein Pfifferling. Also kann man machen, lohnt sich aber nicht unbedingt. Für dieses Rezept eignet sich der Mairitterling bei richtiger Zubereitung viel besser, er ist dann meiner Erfahrung nach der fleischigste Pilz überhaupt.
2. Als Frikassee in einer Bärlauchsuppe: Also im Prinzip einfach in Scheiben geschnitten und mitgekocht. Der Pilz war völlig geschmacklos. Die Konsistenz erinnerte ganz entfernt an zu trockenes, verkochtes und brüchiges Hühnerfleisch. Also geschmacklich kann man den Pilz gekocht vergessen, die Nährstoffe des Pilzes kann man sich so natürlich gut zuführen. Man kann ihn einfach mit der Suppe mitlöffeln, er ändert den Geschmack der Suppe nicht.
3. Paniert als Nuggets: Das wäre eindeutig unsere Empfehlung. Wir haben ihn vegan paniert. Zuerst in Mehl geschwenkt, dann ein flüssiger Teigmantel aus Mehl vermischt mit Wasser, Salz und Pfeffer, dann nochmal in Mehl geschwenkt (Semmelbrösel oder Panko hatten wir nicht da). Wir haben in vollständig gehärtetem raffiniertem Kokosöl gebraten (gibt am wenigsten Fehlgeschmack, wenn man lang und sehr heiß brät). Wir haben nicht frittiert, da wir nicht so viel Öl wegwerfen wollen.
Paniert war ganz eindeutig unser favorisiertes Rezept. Hier war es aber sehr wichtig, den Pilz im richtigen Altersstadium zu verwenden. Wir hatten hier verschiedene Teile der Fruchtkörper geerntet. Wenn die gelbe Zuwachszone noch dick und weich war und der Pilz noch recht stark mit Wasser vollgesogen war, war der Pilz zu weich für Nuggets. Es ergab sich eine lapprige teils schleimige Konsistenz. Am besten waren die Teile, die schon etwas dünner waren, deutlich mit Orangefärbung, wo man kein/kaum Wasser mehr rausdrücken konnte und wo die Zuwachszone dünn und nicht mehr deutlich weicher war.
Mit diesen Teilen des Fruchtkörpers fingerdick geschnitten und paniert konnten wir "Chicken"-Nuggets machen, die teilweise echt einen leichten Hähnchengeschmack gehabt haben. Ein starkes Aroma sollte man nicht erwarten, der Pilz ist auch hier geschmacksarm, aber ein deutlicher Hauch von Hähnchengeschmack ist zu verspüren. Schön ist auch, dass der Pilz beim Erhitzen seine Farbe behält und nicht wie einige andere grau wird. Wie oft bei Paniertem schmeckt man allerdings hauptsächlich die Panade. Es kam aber in Konsistenz und Geschmack einen Chicken-Nugget oder Hühnchenschnitzel teilweise durchaus nahe.
So kann man mal echtes Pilz-Junkfood machen, mit Pommes, veganer Mayonnaise und Ketchup
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Rezept 3 werden wir sicher mal wieder machen. Für alle anderen Verwendungsformen wäre ich bei dem Pilz eher skeptisch.
