Hallo Bernd,
auf deinen Fotos ist sicher eine Graphis-Art zu erkennen (auch die Sporen sind typisch) - aber vielleicht liegt da auch noch anderes vor, z.B. Befall?
Mein erster Gedanke war: Die kompakten schwärzlichen Fruchtkörper, die den größten Teil des Fotos einnehmen, gehören entweder zu einer anderen Flechtenart, oder die Graphis ist dort nur von einem anderen Pilz - wie z.B. Stigmidium elegans - befallen.
Von wo hast du denn die Hymeniumprobe genommen? Von einer Stelle mit den deutlich langen Apothecien, die ich mit Graphis im Bild markiert habe? Die anderen Bereiche gehören eventuell zum gleichen Thallus, der Thallusrand verläuft unbeindruckt der Änderung über alle Bereiche hinweg. Dagegen spräche jedenfalls die Demarkationslinie (dunkler Grenze, rot übermalt, vgl. Originalfoto!) zwischen beiden Bereichen <=> Kontakt zu anderem Pilz-Individuum. Außerdem wirken die lirellenförmigen Apothecien in Nachbarbereich deutlich kürzer...
Den Fotos nach, hast du die Miksoprobe aus dem Bereich mit den stark verzweigten (sternförmig), sehr kurzen Lirellen genommen.

Ausschnitt aus Bild 4 mit zwei Bereichen, die ich makroskopisch G. scripta (s.lat.) zuordnen würde. Der andere, größere Bereich zeigt abweichende Fruchtkörperausprägung oder/und zusätzlich Befall.
G. scripta ist nicht die einzige Art der Gattung der Schriftflechten. Es gibt zusätzlich nahe verwandte Arten.
G.scripta selbst wird in bis zu vier Unterarten bzw. Formen unterschieden, von denen ich bislang praktisch immer G. pulverulentula gefunden habe. G. scripta s.str. kenne ich noch nicht. Neuwirth beschreibt die Arten des Scripta-Komplexes ausführlich mit viel Bildmaterial. In der Roten Liste gilt dieser Komplex als eine Art.
Der Graphis/Phaeographis-Bestimmungsschlüssel verlangt als erstes einen Querschnitt durch das Apothecium, um zu prüfen, wie tief die seitlichen Wände und/oder ob die Basis kohlig geschwärzt ist. Da der eine Pfad zu braunen Sporen führt, ein anderer zu einer verschollenen Art, UND da du K- zeigst, bleibt nur das G. scripta-Agg. übrig, ohnehin mit Abstand die häufigste Art(engruppe). Andere mögliche Arten reagieren K+ gelb => rot, wie G. elegans.
Es scheint Regionen zu geben, in denen diese Art selten ist. Hier bei mir am mittleren Neckar und auf der Alb ist es eine sehr häufig anzutreffende Kruste auf glatter Rinde in Wäldern (Rotbuche, Hainbuche, Esche). Teilweise sind die Stämme grau/weiß von dieser Flechte. Laut Wirth fehlt sie in Gebieten mit schadstoffbelasteter Luft, bzw. bleibt steril, womit der Thallus kaum dieser Art zuordenbar ist.
Nach gründlicherer Recherche weiß ich nun: Offenbar sind auch sternenförmig verzweigte Fruchtkörper, so wie du sie zeigst, bei G. scripta möglich. Solche habe ich bislang nicht beobachtet.
Also kurz und gut: Richtig bestimmt, meiner bescheidenen Meinung nach. 
LG, Martin
P.S. Die Graphis-Sporen bekommen wesentlich mehr Kontrast, wenn du etwas Lugol unter das Deckglas gibst. Die Sporenwände färben sich kräftig lila, die Zelllumina bleiben klar. Probier's mal aus!
P.P.S. Du kannst ja auch die Apothecien des Befalls - so denn wirklich einer vorliegt - analysieren.

Bild A1 Stigmidium microspilum auf Graphis scripta / pulverulentula

Bild A2 Hymenium von Stigmidium microspilum mit alten, braunen Sporen, Lugol (J+orange);
Bildeinsätze von jungen, hyalinen Sporen in Wasser.