Beiträge von KaMaMa

    Hallo Bernd,

    Parmelien finde ich zwar oft, bin mir aber bei der Zuweisung häufig reichlich unsicher, insbesondere bei den drei Arten der P. saxatilis - Gruppe. Auf deinen letzten Fotos "E-K" ist die trockene Thallusoberfläche weiß bis weißgrau, was ziemlich sicher auf dicke Bereifung zurückzuführen ist.

    Da die Parmelia isidiös ist, kommen meinem Verständnis nach nur P.submontana und P. saxatilis s. lat. in Frage. P. submontana kommt auf Rinde (und Silikatmoosen) vor. Sie ist aber durch das lockere Aufliegen auf dem Substrat und den eingerollten Wuchs recht leicht von den anderen Parmelien zu trennen. Sie liegt hier sicher nicht vor. [Eingerollte Lappen ohne Isidien kommen auch bei Parmelia omphalodes auf Silikat vor.]

    Bild A1 Parmelia submontana mit langen, nach unten hängenden, eingerollten Thalluslappen und hellen Isidien an einem Allee-Birnbaum im Odenwald. Bei dieser Art sind die Isidien soralähnlich.


    Da die Flechte nicht auf Silikat wächst und auch keine schwärzlichen Isidien besitzt, da die Lappenbreite in Richtung 5mm geht, würde ich nicht an P. saxatilis s.str. denken. P. saxatilis (meist auf Silikat) und P. serrana (meist auf Rinde) sind nicht stark bereift.

    Bild A2 Parmelia saxatilis s.str. mit nicht immer rosettigem Wuchs auf Silikat, grau-braunem Thallus mit schwärzlichen, dichten Isidien in der Thallusmitte. Die Flechte gilt als schmallappiger als die anderen isidiösen Parmelien. Buntsandstein, Nordschwarzwald


    Parmelia serrana wächst etwas luftiger, lockerer, liegt dem Substrat nicht so dicht an; die Lappen überlappen stärker, die Isidien sind heller als bei P. saxatilis. Die Isidien kommen insbesondere auch an den Lappenrändern vor. Schwerpunktmäßig kommt sie meinem Verständnis nach auf Rinde vor. Sie ist kaum bereift.

    Bild A3 Parmelia auf Rindenmoos. Lappen breiter, rundlicher; Isidien heller, nicht so dicht stehend; Isidien an den Lappenrändern und auf den Netzrippen in linearer Anordnung. Fichtenstamm, Odenwald. Die Beschreibung passt sehr gut zu den in der Literatur erwähnten Parmelia serrana.


    Aufgrund der Bereifung und dem Vorkommen an Rinde wäre Parmelia ernstiae aus der P. saxatilis-Gruppe (P.saxatilis s.lat.) vermutlich die richtige oder zumindest bessere Zuweisung.

    Bild A4 Deutlich weiß bereifte Parmelia auf Rinde und Rindenmoos in Bildmitte; von oben, links und links unten von Parmelia sulcata überwachsen. Rhön, Ahorn (?). Ich möchte hier Parmelia ernstiae vermuten.


    Die drei Parmelien sind sich untereinander so ähnlich und ihre jeweilige Variationsbreite so groß, dass man sich nur schwerlich sicher sein kann, was da immer für eine Art vorliegt. Deshalb viel Spaß beim Einsortieren! Im Zweifel (meistens!) einfach bei P. saxatilis s.lat. belassen...


    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    das ist bestimmt eine Parmelia saxatilis, zumindest im weiteren Sinne. :thumbup:

    Was hältst du denn von Parmelia serrana? Die Isidien wirken nicht schwärzlich auf mich. Sitzen sie nicht auf den Netzrippen und an den Lappenrändern? Wie breit etwa sind denn die Lappen? Überprüfe das doch mal.

    Ist die Flechte auf den ersten 4 Bildern eventuell leicht feucht? Auf dem vergrößerten Folgebild wirkt der Thallus weiß, ist er eventuell bereift? Ist dann Parmelia ernstiae eine Option? Vermutlich nicht, aber prüfe mal gegen P. serrana.

    Parmelia saxatilis kommt schwerpunktmäßig auf Silikat vor.

    LG. Martin

    Hallo Bernd,


    zu den roten/rötlichen Flecken habe ich keine Meinung. Sie sind bereits in Beitrag #3 stark aufgefallen.

    Der Photobiont der Flechte (Trentepohlia bei Graphis) befindet sich immer geschützt im Inneren der Flechte; dennoch kommt es sehr oft vor, dass Biofilme aus Algen, Bakterien, Pilzen, ... den Krusten aufsitzen. Was hier genau vorliegt und die Oberfläche bäunlich/rötlich verfärbt, kann vermutlich nur das Mikroskop eingrenzen helfen.

    In Bild #4-8 ist eine frei flottierende Spore zu sehen. Wo gehört sie hin, zur Flechte oder ist es Fremdmaterial? Die gleiche Frage stellst du in Bild #4-12 zur kleineren Spore. Hier gilt es den Inhalt der Asci zu prüfen und zu vergleichen. In der Bildmitte von #4-11 ist ebenso eine Spore mit verlängerten Endzellen im Ascus zu erkennen. Wo hast du denn diesen Ascus gefunden?

    LG, Martin


    P.S.

    Dass es keine/kaum G. scripta in NRW geben soll, glaube ich nicht. Das von dir zitierte Paper ist von 1980, als die Luftreinheit noch nicht auf heutigem Stand war. Auf der Seite Flechten-Deutschlands.de sind einige Funde auch in NRW kartiert. Eigentlich erkennt man hier besser wo jemand/niemand kartiert, als wo die Flechte vorkommt/nicht vorkommt.

    Vielleicht hast du bisher nicht an der richtigen Stelle gesucht?

    Hallo Bernd,

    auf deinen Fotos ist sicher eine Graphis-Art zu erkennen (auch die Sporen sind typisch) - aber vielleicht liegt da auch noch anderes vor, z.B. Befall?

    Mein erster Gedanke war: Die kompakten schwärzlichen Fruchtkörper, die den größten Teil des Fotos einnehmen, gehören entweder zu einer anderen Flechtenart, oder die Graphis ist dort nur von einem anderen Pilz - wie z.B. Stigmidium elegans - befallen.

    Von wo hast du denn die Hymeniumprobe genommen? Von einer Stelle mit den deutlich langen Apothecien, die ich mit Graphis im Bild markiert habe? Die anderen Bereiche gehören eventuell zum gleichen Thallus, der Thallusrand verläuft unbeindruckt der Änderung über alle Bereiche hinweg. Dagegen spräche jedenfalls die Demarkationslinie (dunkler Grenze, rot übermalt, vgl. Originalfoto!) zwischen beiden Bereichen <=> Kontakt zu anderem Pilz-Individuum. Außerdem wirken die lirellenförmigen Apothecien in Nachbarbereich deutlich kürzer...

    Den Fotos nach, hast du die Miksoprobe aus dem Bereich mit den stark verzweigten (sternförmig), sehr kurzen Lirellen genommen.

    Ausschnitt aus Bild 4 mit zwei Bereichen, die ich makroskopisch G. scripta (s.lat.) zuordnen würde. Der andere, größere Bereich zeigt abweichende Fruchtkörperausprägung oder/und zusätzlich Befall.


    G. scripta ist nicht die einzige Art der Gattung der Schriftflechten. Es gibt zusätzlich nahe verwandte Arten.

    G.scripta selbst wird in bis zu vier Unterarten bzw. Formen unterschieden, von denen ich bislang praktisch immer G. pulverulentula gefunden habe. G. scripta s.str. kenne ich noch nicht. Neuwirth beschreibt die Arten des Scripta-Komplexes ausführlich mit viel Bildmaterial. In der Roten Liste gilt dieser Komplex als eine Art.

    Der Graphis/Phaeographis-Bestimmungsschlüssel verlangt als erstes einen Querschnitt durch das Apothecium, um zu prüfen, wie tief die seitlichen Wände und/oder ob die Basis kohlig geschwärzt ist. Da der eine Pfad zu braunen Sporen führt, ein anderer zu einer verschollenen Art, UND da du K- zeigst, bleibt nur das G. scripta-Agg. übrig, ohnehin mit Abstand die häufigste Art(engruppe). Andere mögliche Arten reagieren K+ gelb => rot, wie G. elegans.

    Es scheint Regionen zu geben, in denen diese Art selten ist. Hier bei mir am mittleren Neckar und auf der Alb ist es eine sehr häufig anzutreffende Kruste auf glatter Rinde in Wäldern (Rotbuche, Hainbuche, Esche). Teilweise sind die Stämme grau/weiß von dieser Flechte. Laut Wirth fehlt sie in Gebieten mit schadstoffbelasteter Luft, bzw. bleibt steril, womit der Thallus kaum dieser Art zuordenbar ist.

    Nach gründlicherer Recherche weiß ich nun: Offenbar sind auch sternenförmig verzweigte Fruchtkörper, so wie du sie zeigst, bei G. scripta möglich. Solche habe ich bislang nicht beobachtet.

    Also kurz und gut: Richtig bestimmt, meiner bescheidenen Meinung nach. :thumbup:

    LG, Martin


    P.S. Die Graphis-Sporen bekommen wesentlich mehr Kontrast, wenn du etwas Lugol unter das Deckglas gibst. Die Sporenwände färben sich kräftig lila, die Zelllumina bleiben klar. Probier's mal aus!


    P.P.S. Du kannst ja auch die Apothecien des Befalls - so denn wirklich einer vorliegt - analysieren.

    Bild A1 Stigmidium microspilum auf Graphis scripta / pulverulentula


    Bild A2 Hymenium von Stigmidium microspilum mit alten, braunen Sporen, Lugol (J+orange);

    Bildeinsätze von jungen, hyalinen Sporen in Wasser.

    Hallo Bernd,

    B. rufus ist mit der K+gelben Reaktion (auch Apothecien hier überprüft?) klar gegen verwandte Arten abgegrenzt.

    Die Apothecien habe ich mir bislang nicht genauer unter dem Mikroskop angesehen, meist reichen makroskopische Merkmale zur Bestimmung (Habitus, Chemie) aus.

    Die Sporen werden in der Literatur als spindelförmig, also mit verjüngten Enden, d.h. meist zugespitzt, beschrieben.

    Eine C+ rötliche Reaktion sehe ich nicht. Hast du deine Probe mal einfach nass gemacht, wie färbt sie sich dann?

    Farben ändern sich schon durch Benetzen mit Wasser häufig schon deutlich.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    dein Flechtenfund erinnert mich jedenfalls sehr an Platismatia glauca, alles ganz typisch dafür. :thumbup:

    Die Flechte hattest schon mal vorgestellt: Und wie ich mich erinnern kann, hattest du damals sogar den Färbetest der Medulla J+ violett nachgewiesen.

    Eine schöne Flechtenart.

    LG, Martin


    Bisher habe ich sie leider nur in den Vogesen mit Apothecien gefunden, allerdings gleich an zwei Stellen:

    Bild A1 fruchtende Platismatia glauca


    Bild A2 Apothecien von Platismatia glauca, etwas angefressen

    Hallo Bernd,

    da würde ich eher ein Wäldchen von Evernia prunastri sehen. Die Lappen sind nicht fädig dünn, sondern recht breit und zeigen die typische runzelige Struktur. Die typischen, elliptischen, randständigen Sorale von R. farinacea sind nicht erkennbar.

    Prüfe mal die Unterseite und Lage znd Form der Sorale.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    interessant!

    Rote (!) Flceken an den Grundschuppen erinnern an C. norvegica. Ich kenne die Flechte nicht ind deine Fotos geben diesmal nicht sehr viele Details her. Du kannst ja mal damit zumindest vergleichen. Was da vorliegt - keine Ahnung, Befall ist natürlich denkbar...

    Sollten die weiß-grauen Podetien zur gleichen Flechte gehören (und das scheint so zu sein!), ist es wohl nicht C. norvegica. Die hätte mehr Säulen und wenn überhaupt ockerfarbene Apothecien, ist also braunfrüchtig. Die gezeigten Podetien besitzen rote FK. Die sprossenden, unförmigen, sorediösen Becher könnte zu C. polydactyla gehören.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ja, B. rufus ist korrekt.

    Die schwarzen Apothecien sind übrigens befallen mit einem lichenicolen Pilz (Cercidospora parva vielleicht?), der in den Fruchtkörpern seines Wirtes seine eigenen Schläuche bildet.

    Den Pilz habe ich schon mal auf Baeomyces rufus gesehen, habe es aber versäumt, eine Probe davon mitzunehmen.

    Da hast du Interessantes zu mikroskopieren! ;)

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    aha, du kennst ihn also nicht?

    Bitte schön hier zu den Schlüsselsammlungen bei Italic (google "Key lichen Italic") und bei BLS.

    Aber welchen der vielen Schlüssel sollte man Verwenden?

    => Gattungsschlüssel bei BLS

    => Allgemeiner Schlüssel über alle Gattungen bei Italic (Interactive guide)


    Weitere interessante Hilfe findest du vielleicht auch unter dem Punkt "Flechtenbestimmung im Internet, Buchempfehlungen" im Schwesterforum Pilzforum.eu. Dort wird ein wenig ausführlicher auf das Thema eingegangen - hoffentlich verständlich.


    LG, Martin

    Wenn die Proben hart sind, reicht meist kurzes Einweichen, den Rest nach dem Schneiden einfach wieder trocknen lassen. Nie feucht einschachteln, das schimmelt!

    Wenn das Material zu hart zum Quetschen ist, nimm ein wenig KOH (3%) und lasse ein Tröpfchen seitlich unter das Deckglas einziehen.


    Ansonsten vielen Spaß beim Wandern und gutes Wetter wünsche ich euch!

    Schöne Dokumentation übrigens!

    Die Cladonien hat auch einige pilzliche Untermieter. Zum einen meine ich einen weißen Hyphomyceten ("Schimmel") darauf zu erkennen (Bild 4 und 7). Hast du deine Proben recht lange feucht in einem geschlossenen Behältnis gelagert?

    Die schwarzbraunen Stachelchen (Bild 12) gehören höchstwahrscheinlich zu einem weiteren, lichenicolen Pilz.

    Die braunen Klumpen ("braune Schuppen") kann ich allerdings gar nicht zuordnen.

    Nochmals LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ich habe die Flechte noch nicht sehr oft gesehen, hatte aber auch gleich auf C. subulata getippt. P+ rot zumindest passt auch.

    Dennoch - es gibt ziemlich viele Cladonienarten und wenn man es genau wissen möchte, muss man alle Arten kennen und voneinander trennen können.

    Ich kann das nicht, deshalb schlüssele ich mich auch bei Cladonia immer durch. Also: ein Blick von mir genügt nicht. :)

    Ob ein Blick von dir bei Italic genügt, kann ich nicht abschätzen.

    Bei Italic gibt es einen guten, dichotomen Bestimmungsschlüssel für Cladonien, den ich dir wärmstens ans Herz legen möchte, falls du ihn noch nicht kennen solltest. Diese Art Schlüssel hat allerdings den kleinen Nachteil, dass man Frage nach Frage eindeutig beantworten muss, um voranzukommen.

    Es gibt noch eine andere Möglichkeit, die der tabellarischen Eingrenzung: Bei den Briten (BLS) gibt es eine Excel-Datei zum Bestimmen von Cladonien!

    Nach einer gewissen Einarbeitung, kann man die Datei mit allem, was man weiß und für wichtig hält, füttern und schränkt die Auswahl der verbleibenden Arten immer weiter ein. Leider gibt es das nur für Cladonien und zudem nur für in Britanien vorkommende Cladonien. Die vorkommenden Arten überschneiden sich aber stark. Das funktioniert recht gut. Wenn ich bei den Cladonien nicht weiterkomme, verwende ich gerne diese Datei zum Gegenprüfen. Allerdings braucht man halt Excel...

    Wenn ich mich mit deinen Angaben durch den deutschen Schlüssel bewege, muss man K- wählen (gelblich, dann braun, also nicht kräftig gelb bis rot), auf den Fotos sind kaum Grundschuppen vorhanden und die Podetienhöhe ist vermutlich auch > 2 cm. Dann gelange ich schnell zu C. subulata. Bingo! :thumbup:

    Eine schöne Cladonienart übrigens, die saure Böden bevorzugt und daher in meiner Gegend nicht so schrecklich häufig vorkommt.

    LG Martin

    Hallo Rooki und andere,

    das weiße, fransige Zeug ist sicher etwas Pilzliches, aber aufgrund fehlender Detailbilder kann man nur raten. Ich fühle mich etwas an Phlebia tremellosa erinnert, auch weil das Ensemble auf Totholz aufsitzt.

    Die schlanke Becherflechte sollte Cladonia fimbriata sein. Sie gehört, wie die allermeisten Flechten zu den lichenisierten Schlauchpilzen, dort zu den Lecanorales.

    Anders als so mancher in Symbiose lebender Mykorrhizapilz wächst die Flechte nicht im Boden neben der Pflanze und wickelt sich nicht um deren Wurzeln, sondern beherbergt einzellige Photobionten (Grünalgen oder Cyanobakterien) in ihrem thallösen Inneren.

    Was man ja sonst gemeinhin als Pilz bezeichnet, ist ja nur der überirdische Fruchtkörper zur sexuellen Sporenausbreitung. Fruchtkörper bilden Flechten auch oft, aber nicht immer. Meist sind es kleine, schwarze oder bunte Scheibchen (Apothecien) die dem Thallus aufsitzen, vergleichbar winzigen Discomyceten, wie Becherlingen.

    C. fimbriata bleibt - so auch hier - sehr oft steril und verbreitet sich asexuell. In diesem Fall vermehrt sie sich ausschließlich über die fein mehligen, grünen (pilz- und algenhaltig) Diasporen (Soredien) die sie auf ihrer Oberfläche bildet.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    Bild 1ab zeigen den gleichen Ascus (Einzahl) mit mehrzelligen, nadelförmigen, querseptierten Sporen. Sporensepten nicht eingeschnürt.

    Im ersten Foto ist die Ascusspitze zu sehen.

    Bild 2 zeigt eventuell die Paraphysen (sterile Stütz- und Schutzyphen des Hymeniums) zwischen denen die Asci (Mehrzahl) eingebettet sind. Die Septen sind hier deutlich eingeschnürt.

    Bild 3 1 Ascus, verbogen, geknickt

    Bild 4 Bündel aus 6-8 Sporen, wie urspr im Ascus gelegen

    Bild 5 Ein Ascus mit Sporen im Inneren und freie Sporen.

    Bild 6 Ascus, zerrissen. Ev tritt eine Sporenende unten aus

    Bild Ein dickerer Ascus mit Sporen und etliche dünnere Paraphysen

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ich finde die Peltigeren auch nicht sehr leicht zu bestimmen, da sie einander schon recht ähneln können und in Größe, Form, Farbe etc. einiges an Variationsbreite abdecken. Mikroskopie hilft da scheinbar nicht weiter, da sind sie sich noch ähnlicher. Auch die Flechtenstoffe sind sehr ähnlich bis gleich und Tüpfel bringt ebenfalls nichts. Es bleibt nur das Habitat/Substrat und die makroskopische Erscheinung zur Beurteilung.

    Man halt darf nicht in die Falle tappen, etwas bestimmtes sehen zu meinen und das im Schlüssel bestätigt sehen zu wollen. Man muss immer offen bleiben dafür, dass der erste Eindruck (völlig) falsch war und die Alternativen ernsthaft prüfen. Und immer (!) auch das typische Habitat mitprüfen, ob die Bestimmung überhaupt Sinn macht. Erst wenn alles passt - und da muss man wirklich alles Wort für Wort lesen und mit dem Fund gegenprüfen, kann man halbwegs sicher sein, dass die Bestimmung stimmt.

    Die Rhizinen? Ich bin oft zu vorsichtig, weil ich nicht viel entnehmen will, um erwische u.U. zu viel vom Rand und zu wenig von der Thallusmitte. Die Rhizinen verändern sich mit den Alter.

    Nun in deinen Fotos 12 / 20 sehr ich bräunliche (feucht wahrscheinlich relativ dunkle) Rhizinen. Die Rhizinen fasern an den Enden auf, einige dieser aufgefaserten Enden verfilzen miteinader. Nicht alle und nicht überall, aber es gibt welche, die das tun. Ich lese: "Rhizinen (außer am Rand) dunkel, dicht verzweigt und büschelig zusammenfließend". Da sehe ich keinen Widerspruch.

    Sehr ich das richtig, das der Boden vermutlich kalkhaltig ist?

    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    ich kann nicht recht glauben, dass diese Peltigera Sorale hat. Ich würde in den weißlichen Flecken eine Bereifung vermuten.

    P. didactyla hat im jugendlichem Stadium Sorale, wenn der Thallus noch sehr klein. Groß wird die Flechte sowieso nicht, hat auch keine langen, tief geteilten Lappen, wie dein Fund, sondern ist eher kompakt; jung sogar klein-muschelig geformt. Spätestens, wenn Apothecien gebildet werden, werden die Lappen etwas größer, und streben nach oben. Die Sorale werden allmählich vollständig rückgebildet. Die Rhizinen sind einfach - im Gegensatz zur sonst ähnlichen P. extenuata, die keine Apothecien bildet und büschelige Rhizinen besitzt.


    Bild A1 Peltigera didactyla mit Apothecien und Soralen; Die kleinen, isolierten Lappen streben senkrecht nach oben; Oberseite filzig


    Bild A2 Peltigera didactyla Größenvergleich vollständiger Thallus


    Der Thallus deines Fundes ist groß, rosettig, in der Mitte bereift. Die Ränder der langen, schmalen Lappen stehen wellig nach oben.

    Der hellen Burgmauer nach zu urteilen, ist das Gebiet Kalkland. Schon das Habitat spricht dann - wenn meine Vermutung zutrifft - gegen P. didactyla, die ziemlich acidophil ist, also meist auf sauren Böden vorkommt, während P. rufescens gerne auf basischen Böden lebt.

    Du solltest deinen Fund also mal mit Peltigera rufescens vergleichen:

    Bild A3 Peltigera rufescens, zugegeben nicht das schönste Beispiel, aber mit typisch welligen, aufsteigenden Lappenrändern auf kalkhaltigem, trockenem, sonnigem Boden


    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    meiner Meinung nach hast du die Flechte ganz richtig erkannt und sehr gut beschrieben:

    auf lichtreichen, mageren und/oder trocknen Böden, wo sich Kräuter schwer tun, gerne über kalkreichem Grund (aber nicht ausschließlich). Grau-brauner Thallus randlich filzig und/oder mittig bereift; deutliche Aderung mit dunklen Rhizinen; Lappen tief geteilt und schmaler als bei z.B. P.praetextata; Lappenränder typisch wellig aufsteigend, nicht nach unten gebogen wie bei P. canina oder P. praetextata.

    Dein Fund erfüllt alle Klischees und ist deshalb sehr gut bestimmbar! :thumbup:

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ja - auch ich würde unbedingt eine Parmelia sulcata erkennen wollen.

    Alle von dir gezeigten Eigenschaften passen gut zur Art!

    Und ja, sie ist krank, denn die rotbraunen Flecken gehen auf einen (vermutlich Pilz-)Befall zurück.

    Schön dokumentiert!

    LG, Martin

    Hi Bernd,

    für mich wirken die Pyknidien auf den Fotos braun, aber du hast ja das Original in Händen.

    In Zweifel wieder ich mich nach der Mehrzahl der passenden Eigenschaften orientieren.

    LG, Martin


    Bei diesem Rentierflechten-Gedöns halte ich mich lieber ganz vorsichtig zurück. :)

    Hallo Bernd,

    um den Pyknidienschleim zu prüfen, würde ich ein vorheriges Einweichen der Spitzen in Wasser empfehlen. Dann mit der Lupe einfach mal draufschaun, ob sich die Pyknidien in/um ihre Öffnung rot färben.

    Ich habe mal für die gesucht und ein Foto gefunden, das braune Pyknidien zeigt, mit rotem Inneren:

    Bild A1 Braun-schwarze Pyknidien, aber rotes Inneres (Pyknidienschleim) einer rotfrüchtigen Cladonienart.


    Das Mikroskop würde ich hier nur in äußerster Not anwenden. Da hatte ich mich sicher falsch ausgedrückt.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ich bleibe beim Schlüsseln erstmal bei C. ciliata hängen, da ich hauptsächlich dichotome Verzewigungen zu sehen meine (Bilder 10ff). C. portentosa hätte eher 3-4 Äste pro Verzweigung und gilt meist als P- reagierend. Eine P+rote Variante scheint es aber in atlantischen Gebieten zu geben. Du könntest mal den Pyknidienschleim prüfen (durchschneiden, ausquetschen, meist reicht ein genauer Blick in/auf die angefeuchtet Öffnung), ob der rot ist. Das sollte dann zu C. ciliata passen.

    Beim Überprüfen der ersten Übersichtsbilder stelle ich fest, dass 3-4 Äste pro Verzweigung durchaus hinkommen könnten. C. portentosa habe keine gebogenen Astenden, sondern sparrig in alle Richtungen zeigende Enden der Astspitzen. Ich finde, dass passt nicht richtig gut.

    C. arbuscula ist ebenfalls gelblich gefärbt und hat gebogene Astenden.

    Ich bin von Rentierflechten stets verwirrt und kann nur ein entschiedenes "Vielleicht" beitragen.

    Zu bedenken bleibt - wie üblich bei Cladonien -, dass Arten eventuell auch nebeninenader und durcheinander wachsen können - wovon ich aber erst mal nicht ausgehen würde. Dennoch beim Test darauf achten, immer nur von einem Thallus zu nehmen und die Test mit den Bildern der entsptrechenden Probe zu korrelieren. Sonst kommt nichts Brauchbares dabei raus.

    Hier bin ich überfragt, denn sowas wächst bei mir hier gar nicht - sorry!

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ja, das sollte C. concolor sein: Eine gelbe Blattflechte mit tief geschlitzen Läppchen und die gelben Teile K- (keine K+ roten Antrachinone, sondern gelbe Pulvinsäure).

    Gelegentlich sind Thalli mit Apothecien zu finden. Die sind deshalb interessant, da die Asci vielsporig sind:

    Bild 1 Candelaria concolor mit Apothecium


    Bild 2 Die keuligen Asci von C. concolor sind vielsporig. Die Sporen sind einzellig.
    Durch die beiden dunklen Guttulen an den Polen wirken die Sporen u.U. "angedeuted zweizellig" (Bildeinsatz: Sporen)


    LG, Martin