Beiträge von KaMaMa

    Glaub ja nicht, dass die KI deine Flechten bestimmen kann!

    Einen Versuch ist es natürlich wert, um zu sehen, was passiert. Derzeit wird ja so viel über die KI geschwafelt, da wollte ich es mal wissen. Sie kommt auch gleich ganz souverän mit Behauptungen daher, die nur schwer zu glauben sind. Es klappt gar nicht, sie macht erstmal nur komische Vorschläge. Wenn du dann Einwände erhebt, wirst du bestätigt und dein Sachverstand wird gelobt und sie redet einem eigentlich fast dauernd nach dem Mund. Wenn du Glück hast bekommst du nach 10 Durchläufen mit immer mehr Datennachfüttern die Aussage, das es doch sehr schwierig sei oder gar unmöglich, etc. Aber erstmal macht sie ganz dicke Backen. Vergiss es !

    Die Programmierung hat wohl eher den Schwerpunkt, dir zu gefallen, dich zu bestätigen und dir unbedingt sofort ein Ergebnis zu präsentieren. Erst bei wiederholt kritischem Nachhaken wird sie etwas besser.

    Du kannst ja mal eine dir bekannte Flechte von ihr "bestimmen" lassen.

    Nein - ich habe sie aus der Literatur die Eigenschaften zusammen- und gegenüberstellenlassen. Das geht besser, da nur Literatur verglichen werden muss. Aber auch hier brauchte es etliche Anläufe und Einsprüche, bis etwas Brauchbares herauskam ohne Widersprüche zur bekannten Literatur. Also nix mit "KI, mach mal" und fertig, sondern man muss sie führen. Dann folgt sie allmählich dorthin, wo man sie haben will.

    LG, Martin

    Hall Bernd,

    in hätte spontan an C. subrangiformis gedacht.

    Den Schlüssel bemühend gilt für C. furcata tatsächlich K-, dann biegt man mit K+gelb ab zu C. (sub)rangiformis.

    C. rangiformis zeigt bevorzugt den grün-weiß-gescheckten Giraffenhals. P+(-) rot passt auch. Schuppen dürfen vorkommen. Bräunliche Enden auch. Was du als Markaufbruch im letzten Foto zeist, halte ich für ein kleines Schüppchen, das vielleicht erst zu wachsen beginnt. Vergleich mal die beiden letzten bilder! Die Podetien dicht und aufrecht, +/- gleichmäßig gabelig geteilt, stark spreizend.

    C. subrangiformis passt nicht so gut: Podetien kräftiger und locker verweigend. Meist niederliegend oder aufsteigend. Meist (einheitlich) braun oder oliv. Basis rissig mit aufbrechenden Beulen. Achseln offen.

    Bei der gesamten C.furcata-Verwandtschaft (inkl. C. subrangiformis) kommen seitlich perforierte, oder geschlitzte Podetien auf. Mit offenen Achsen (C. subrangiformis) ist eine Öffnung IN der Achsel, IN der Verzweigung gemeint:


    Was du zeigst, sind eher die furcatagruppen-typischen Löcher, die überall auftreten können.


    Ich habe mal die Google-KI geplagt und eine Tabelle zur Furcata-Clade erstellen lassen - das hat aber etliche Duchläufe und Korrekturanweisungen gebraucht. Ich bin mir nicht sicher, ob alles richtig ist. Aber als Anhalzsounkt vermutlich nicht schlecht:

    C. rangiformis passt somit vermutlich am besten - deine erste Vermutung also!

    Die Bestimmung passt auch zum Habitat (Trockenwiese); passt auch der pH (kalkhaltig, kalkfrei)?

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    das Handyfoto gibt nicht viel her. Wahrscheinlich erkennt man die Flechte nur, wenn man weiß, wo sie ist und was zu sehen ist. Es handelt sich um Lungenflechten. Über die freue ich mich immer ganz besonders, weil sie selten und nur an wenigen Orten zu finden sind.

    Bei Cladonien habe ich mir bisher nicht die Mühe gemacht, das Hymenium zu mikroskopieren, weil die Arten makroskopisch bestimmbar sind.

    Nicht einmal bei Italic findest du Mikrobilder zu den Sporen und den Asci (Asci ist übrigens schon der Plural von Ascus, es braucht kein weiteres 's' dafür). Die Asci werden als keulig, mit verdickter Spitze (Tholus?) beschrieben, die Sporen als einzellig und elliptisch. Die Sporen liegen zu 8 im Ascus.

    Wenn du das alles im Mikroskop so vorfindest und erkennst, passt alles. Deine ersten 5 Fotos zeigen Asci. Sporen erkenne ich keine darin. Die letzten beiden Fotos - keine Ahnung, vielleicht verfärbte Algen?. Hast du die Probe mit Chemie behandelt? Oder ist das alles in Wasser?

    LG, Martin


    Anbei etwas bessere Bilder...

    Großer Thallus im Efeu,


    kleiner Thallus, aber gut erkennbar, inkl. blasiger Unterseite.

    Hallo Bernd,

    ja, da bin ich ganz deiner Meinung: Podetien rotfrüchtig, basal berindet, Becherinneres berindet; Grundschuppen groß und rundlich - da ist C. polydactylon raus und nur C. digitata bleibt übrig.

    Ich habe heute auch was schönes entdeckt, ich hoffe, man erkennt was auf dem Handyfoto:

    Und der Osterhase hat reiner Tisch gemacht, sieht man auch nicht alle Tage.

    Liebe Grüße und schöne Feiertage,

    Martin

    Hallo Murmelchen,

    schön, dass es dir gut zu gehen scheint und vielen lieben Dank für deinen Flechtengruß!

    Was willst du denn zählen - die Becherlein? Du willst wohl rückrechnen auf die Anzahl der Elfen beim letzten Fest.

    LG, Martin


    Ich schicke dir auch ein Foto von einer hübschen, grünen Blattflechte mit lilabraunen Apothecien und oranger Unterseite:

    Hallo Bernd,

    zu dem Thema der Amyloidität findest du in der englischsprachigen Wikipedia eine sehr gute Erklärung. Die entsprechende deutsche Seite kannst du dagegen vergessen. Oder ein kurzer Abriss bei Orange, Kapitel 1.2.5 Iodine reactions.

    Meistens reicht es aus, zu testen, ob das Hymenium bei hinreichend viel Lugolgabe (nicht Melzers!) blau (das ist meistens der Fall = euamyloid) oder rot/orange (hemiamyloid) reagiert, oder nur gelb bleibt (inamyloid). Man muss etwas aufpassen, da wenig Jod bei hemiamyloidem Material erst eine Blau-, dann Grün-, ... und letztlich eine Rotfärbung verursacht, je nach Konzentration des eindiffuntierten Jods. Selten kommt es vor, dass Arten z.B. ein rote Hymenium, aber ein blaues Subhymenium zeigen, was bestimmungsrelevant ist. Diese Eigenschaften werden dann meist im Bestimmungsschlüsseln abgefragt.

    Bei sehr, sehr kleinen Quetschproben hilft es u.U., Spuren von Hymenium zu entdecken, falls es reagiert.

    Für die K/J-Reaktion muss man die Probe erst mit KOH vorbehandeln, dann gründlich spülen (Wasser oder Logol), letztlich Lugol beigeben. In diesem Fall reagieren die Asci etwas anders (blau oder eben nicht).

    In machen Fällen sind die Farbreaktionen der Ascusspitzen interessant. Ferner färbt es das Ascoplasma meist gelb bis orangegelb, wodurch ein hübscher Kontrast zur Zellwand entsteht.

    Ein paar Beispiele:

    Einige jodgefärbte Asci. Bei der Verrucaria-Probe links sieht man im Bildeinsatz den Farbumschlag von blau (zentral, geringe Jodkonzentration) nach rot (außen, hohe Jodkonzentration).


    Neben der Bedeutung für die Bestimmung von Gattungen und Arten, macht es auch eine Menge Spaß, wenn man solche Details beobachten kann...


    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ich denke, dass die Zuordnung zu Flavoplaca flavocitrina die vernünftigste Wahl ist.

    Weiter absichern könntest du durch Bestimmung der Hymenium- und Sporenmaße.

    Das Einfärben mit BWB hat doch recht gut geklappt!

    Wenn du noch etwas mehr quetschen könntest, wären die Paraphysen und Asci eventuell noch besser erkennbar, da weiter separiert. Das klappt halt nicht immer gleich gut, und es ist immer die Frage, wieviel Aufwand will man investieren, um eventuell bessere Aufnahmen zu bekommen. Zum Erkennen und Vermessen der Strukturen reicht das so völlig aus!

    Es spielt hier zwar keine Rolle, da die Flechtengattung von vorne herein klar ist, aber ich färbe (zumindest bei völlig unbekannten Arten) lieber erst mal mit Lugol ein. Das hat den Vorteil, dass man so erkennt, ob das Hymenium, oder Teile davon amyloid, inamyloid oder hemiamyloid reagieren, was bestimmungsrelevant ist. Ferner kann man bei geglückter Präparation auch die Substrukturen in der Ascusspitze (Tholus) erkennen und auflösen.

    Prima dargestellt!

    LG, Martin

    Hallo Bernd

    Denk dir nichts, Fehler passieren halt. Und Tippfehler sind die schnell korrigiert.

    Nur wer nichts macht, macht auch keine Fehler.

    (Ich hatte mich sowieso schon etwas gewundert, dass du C. pyxidata ins Spiel bringst.)

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    da ist Cladonia polydactylon: rotfrüchtig (damit scheidet C. pyxidata sofort aus) mit weiß-orangen Grundschuppenunterseiten. GS gekerbt (das spricht gegen C. digitata, ebenso wie das sorediöse Becherinnere), etwas sorediös. Selbst die sorediösen Podetienstiele sind stückweise orangelich gefärbt und deshalb dort K+ tiefrot.

    Vergleiche deinen Fund also mit c. polydactylon. Dein Fund macht der Artbezeichnung alle Ehren: Was für Prachtxemplare! Gegen C. pyxidata spricht so einiges. ;)

    LG, Martin

    Hallo Emil,

    du wohnst offenbar in einer Gegend mit sehr guter Luft!

    Es gibt Stellen, insbesondere entlang der Straßen, wo die Bäume reihenweise über und über mit den Gelben Wandflechten überwachsen sind. Sie kommen gut mit hoher Stickstoffbelastung (Verkehr) und anderem Düngereintrag (z.B. Staubanflug) zurecht und setzen sich gegen andere Flechten durch.

    Natürlich ein hübscher Farbtupfer!

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ja, C. coniocrea schient hier in der Flechtenpobe wohl vorzukommen - neben anderen Cladonienarten.

    Da muss du gut aufpassen, nichts durcheinander zu bekommen! Ich vermute noch mindestens zweit weitere Arten: die sorediösen Becher auf Bild 2 und die rotfrüchtige, umförmige Art in Bild 4 springen gleich ins Auge.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    komisch: Ich sehe auf den ersten ca. 10 Fotos eine bräunliche Medulla zwischen den grünen Schuppen/Schollen/Soredien/was-auch-immer durchblitzen. Ganz deutlich in Bild 7, hatte ich gedacht...

    Sind die Fotos etwa von einem anderen Podetium gemacht? ;)

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    wir du erkenne ich eine Cladonienarten der Pyxidatagruppe. Die Gruppe ist groß und die Arten sind kaum zu unterscheiden.

    Aufgrund der deutlichen bräunlichen Färbung des Marks, den kleinen, glatten, anliegenden Schollen in Becher wurde ich zu etwa aus der Grayi-Untergruppe tendieren, an ehesten zu C.grayi selbst. Das ist aber mehr oder minder geraten.

    Vergleiche mal mit dieser Art und den Eigenschaften von C. pyxidata chlorophaea.

    Viel Spaß und liebe Grüße,

    Martin

    Hallo Bernd,

    C. floerkeana ist in meiner Gegend (Kalk) sehr selten. Ich finde sie kaum. Die soll den nord- und ostdeutschen Sandregionen auf den sauren Böden häufiger vorkommen. Auf Holz sei sie selten zu finden, das ist eher das typische Macilenta-Substrat:

    C. macilenta gilt (in allen Regionen) als relativ häufig. Ich finde sie auch regelmäßig auf faulen Holz, ganz wie in der Literatur angegeben.

    Deinen Fund (Bild 1-5) - dünne, ein sorediöse, unverzweigte Podetienrasen mit knallroten Apothecien auf Holz - halte ich für ganz typisch für C. macilenta.

    Die vergrößerten Ausschnitte 8,9,10,13 usw. finde ich hingegen nicht so recht passend. Macilenta darf Schüpochen am unteren Abschnitt des Podetiums haben, der Rest sollte aber feinmehlig sorediös sein.

    Deine Fotos zeigen berindete Abschnitte (8,9), große Blättchen/Schuppen (10,11), Rinde und Schuppen unter dem Apothecium (13). Die Oberfläche in den Fotos 12,14,15 finde nicht fein, sondern grob sorediös, fast schon schollig.

    Cladonienarten wachsen bekanntlich häufig durcheinander! Du markierst ja auch ein auffälliges becherförmiges Podetium, das nicht recht dazu passt.

    An solchen Standorten (Holz) findet man auch häufig C. polydactyla, die überaus vielgestaltig daherkommt. Diese Art hatte relativ große, gekerbte Grundschuppen, vgl. Bild 10,11, Unterseite weiß, aber oft an der Basis gelb oder gar orange gefärbt (hier dann K+ rot).

    Ich denke schon, dass deine Probe auch C. macilenta enthält, aber vermutlich auch andere Arten...

    LG, Martin

    Hallo Codo,

    es gibt reichlich Becherflechtenarten. Leider ist ihr wuchs selten exakt so, wie in der Literatur beschrieben.

    C. chlorophaea jedenfalls soll nie Schuppen am Podetienstiel besitzen. Insofern vielleicht doch etwas anderes aus der C. pyxidata-Gruppe. Oder einfach C. fimbriata! Aber ich weiß nicht, oh die Grundschuppenränder sorediös sein dürfen ...

    LG, Martin