Flechte am Boden

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 431 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. September 2026 um 10:02) ist von Waldkauz.

  • Hallo Martin und andere Flechtenkenner,

    diese Flechte, am Boden liebe ich seit meiner Kindheit. Wahrscheinlich sind auch in dieser Art verschiedene, ähnlich wirkende Flechten unterwegs, die für mich aber immer die gleichen schönen Teppiche waren....

    Von den Flechten, die du mir nanntest Martin, gefiel mir Evernia Prunastri sehr, wirkt auf mein Auge so filigran und ästhetisch...

    Ist diese am Boden auch eine aus der Richtung?

    Herzliche Grüße

    Waldkauz

  • Und dann habe ich von zwei weiteren Bodenflechten, ich hoffe es sind Flechten, Fotos, von denen ich ich hoffe, dass mir jemand was dazu sagt.

    Ich denke laienhaft vom Aussehen her an Blattflechten.

    Danke, dass ihr euch mit meinen Fragen und Bildern befasst.

    Herzliche Grüße

    Waldkauz

  • Hallo Waldkauz,

    deine beiden Funde sind Flechten! Sehr schön!

    Die strauchige Bodenflechte ist eine Flechte aus der großen Gattung der Cladonien, genauer eine Rentierflechte. Der zweite und dritte (!) Fund gehören sicher zu den Peltigeren, den Hunds- und Schildflechten.

    Weil es reichlich Cladonienarten gibt und diese sich zudem häufig stark ähnen, ist es bei rentierflechtenartigen Cladonien wichtig, auf das Vorkommen von kleinen Blättchen an der Basis, Farbe, Wuchs, Art der Verzweigung, Substrat und Habitat, Färbereaktonen etc. zu achten. Ich kann hier nur raten - und vermute anhand dem, was du schreibst, dein Fund stammt vielleicht aus einem lichten Kiefernwald mit reichlich Cladonien über sandigem, bemosstem Kiefernnadelboden (=> "Cladonien-Kiefern-Wald")? Ich könnte mit eine C. arbuscula vorstellen, gesetzt den Fall, dass die Basis der Flechte frei von kleinen Blättchen ist - allerdings sind mir die Astenden dafür viel zu sparrig abstehend und nicht gekrümmt (vgl. Fotos in der Verlinkung zur Flechteseite bei Italic 8). Mit Blättchen an der Basis könnte ev. C. subrangiformis (Falsche Rentierflechte) vorliegen? Aber ich erkenne die Arten nicht vom nur Fotos anschauen, das ist nur geraten!

    Peltigeren gehören zu den größen Flechten in Deutschland. Es gibt Arten, die Durchmesser von 20 cm erreichen können. Leider sind sich auch hier viele Arten, besonders wenn sie steril sind und man nur die Oberseite betrachtet, sehr ähnlich. Bei Peltigeren heißt es, die Flechte in trockenem Zustand auf das Vorkommen von Filz (Tomentum), Isidien, Sorale etc. auf der Oberseite hin zu überprüfen. Ferner die Unterseite auf Struktur und Farbe hin zu kontrollieren - aber nicht nur dicht am seitlich sichtbaren Rand, sondern auch in der Lagermitte, viele Zentimeter vom Wachstumsrand entfernt. Hierzu muss man die Flechte vorsichtig von der Unterlage lösen oder einen Lappen finden, der möglichst lose ist.

    Die ersten zwei Peltigerenbilder zeigen eine glänzende, glatte Blattflechte mit aufsteigenden Rändern, der weißliche Rand mit rosa Schimmer. Eventuell eine Peltigera hymenina ("Salat-Schildflechte")?

    Auf den folgenden vier Fotos liegt sicher eine andere Peltigeraart vor als auf den Fotos davor: Hier sind die Lappen blasig-wellig, die Lappen zum Rand hin erst deutlich aufsteigend, der Rand selbst aber stark nach unten gekrümmt! Wenn dein Fund z.B. irgendwo kleine schuppige bis blättchenartige Isidien an den Rändern gebildet hätte, spräche das für die häufige P. praetextata ("Verzierte Hundsflechte"). Da das nicht der Fall zu sein scheint, könnte es sich um P. membranacea ("Dünneblättrige Schildflechte") handeln, zumal die Rhizinen auf der Unterseite nicht wuschelig oder gar verfilzt zu sein scheinen. Das würde dann dann für P. canina. die "Hundsflechte" sprechen.

    LG, Martin

    Cladonia subrangiformis


    Peltigera praetextata (kommt auch schwarz, grau, beige vor) ist P. membranacea sehr ähnlich, bildet aber Isidien an den Lappenrändern aus (Bild in Originalgröße anschauen!)


    Peltigera hymenina : glatt, mit aufsteigenden Lappenrändern und ocker Unterseite am Wachstumsrand

  • Hallo Martin, ich danke Dir.

    Mit so vielen Informationen werde ich eine Weile beschäftigt sein.

    Deine Boden und Umfeldbeschreibung passt genau. Juetland nahe der Nordsee.

    Ich melde mich, wenn ich das alles halbwegs glaube verstanden zu haben.

    Ich wünsche dir einen schönen Abend und eine friedvolle Nacht.

    Kauzige, liebe Grüße

    Waldkauz

  • Hallo Martin,

    ich habe von den Peltigeren je ein Blatt entnommen und mit Unterseiten fotografiert. Ich hoffe, dass die Bilder halbwegs zumutbar sind und weitere Anhaltspunkte bieten.

    LG Waldkauz

  • Hallo Waldkauz,

    anhand der sehr ähnlich wirkenden Unterseiten der beiden Peltigera-Proben - Unterseite weiß mit ocker/rosalicher Aderung, Rhizinen häufig und etwas dunkler als die Adern. Adern zu Thallusmitte hin nicht abdunkelnd, sondern offenbar hell bleibend, Thalluslappen breit gerundet, deutlich wellig. Wenn der Thallus im trockenen Zustand einen feinen Filz auf der Oberseite erkennen lässt und die Rhizinen feinsamtig behaart sind, könnte es vielleicht P. membranacea sein. P. hymenina sehe ich nicht.

    Die Flechte für'Auge ist wieder eine Cladonienart, diesmal mit roten Apothecien. Da die Oberfläche grobkörnig erscheint und angedeutet Becher vorkommen, vermutlich etwas aus dem C. coccifera-Komplex.

    LG nach Dänemark,

    Martin


    P.S.

    Bei der allerersten Cladonie ganz oben würde ich auch mit C. portentosa vergleichen! Die Art wächst so sparrig, mit gleichmäßig abstehenden, ungekrümmten Ästchen.

  • Hallo Martin und die, die es interessiert.

    Habe von der ersten Cladonia am Fundort zwei kleine Büschel entnommen und nochmal mit den unteren Ästchen fotografiert. Die lagen allerdings schon ein paar Tage im Kühlschrank.

    Ausserdem Bilder einer Flechte auf Reetdach, die mich an das Bild der Flechte fürs Auge erinnert.

    Mit deinen Informationen werde ich mich zu Hause in Ruhe beschäftigen. Hier lockt der Wald und am Abend ruft der Schlaf...

    Herzliche Grüße

    Waldkauz

  • Hallo Waldkauz,

    auf den nachgereichten Fotos der Rentierflechte erkenne ich zumindest keine Blättchen.
    Damit du weißt was gesucht wird, hier ein Eindruck von abstehenden Schüppchen:

    Da vermutlich keine Schüppchen vorhanden sind, vergleiche deinen Fund mit C. portentosa.

    Fotos eine Probe am besten im Tageslicht auf weißem Untergrund machen!
    Das erste Foto zeigt eine stark blaustichige Cladonie.
    Nach Weißabgleich auf das weiße Papier in der Ecke unten rechts im Bild erscheint die Cladonie nicht mehr bläulich auf rotebrauem Untergrund, sondern eher grünlich-gelblich. Das passt besser.


    Die Flechten auf den Fotos 6-9 zeigen mehrere Arten von Caldonien, mindestens zwei unterschiedliche Arten:
    Becher mit gelblicher Grundfärbung und rotfrüchtige Säulen mit grauer Grundfärbung,
    Die säulenförmigen Flechten kannst du mit C. macilenta vergleichen, diese Art ist relativ häufig auf Holz anzutreffen.
    Die gelbliche Becher ev. mit C. sulphurea / C. deformis vergleichen.

    Aber das ist alles aber unsicher und eher nach Plausibilität geraten...


    LG, Martin

    C. macilenta


    C. deformis

  • Lieber Martin,

    danke, dass du dich erneut mit meinen Fotos befasst hast. Ich freue mich immer sehr über deine Informationen. Werde mich damit demnächst ausführlich beschäftigen und, wenn ich etwas Ordnung und Übersicht gewonnen habe, werde ich mich wieder melden.

    Seit gestern bin ich zurück in der Stadt. Immerhin blicke ich auch hier in ein paar große alte Bäume. Da ich im Waldurlaub an Mobilität gewinnen konnte, werde ich weiterhin ab und an nach Flechten Ausschau halten. Zunächst ist aber einiges zu erledigen, wie meist, wenn man länger weg war.

    Dank deiner Antworten kann ich mich auf meine Recherchen freuen und habe Anhaltspunkte dafür.

    Sei herzlich gegrüsst.

    Waldkauz

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