Unbekannter Pilz wächst auf Betongewölbe

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 632 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (15. April 2026 um 13:04) ist von Rooki.

  • Sehr geehrte Damen und Herrn!

    Im Dezember letzten Jahres ist in einem ehemaligen Bier-Lagerkeller einer Brauerei erstmals eine uns unbekannte Pilzart in Erscheinung getreten. Da niemand aus meinem Umfeld diese Art kennt, wende ich mich an ihre kompetente Gesellschaft, in der Hoffnung, dass Sie mir bei der Identifikation dieser Gewächse weiterhelfen können.

    Die Pilze wachsen senkrecht von oben nach unten. Die Stiele sind bis zu 20 cm lang und etwa 10 mm dick. Das Ende ist Becher förmig. Das kuriose ist, dass diese Pilze scheinbar keinerlei Erdreich benötigen und auf einem Keller-Gewölbe aus grauem Beton von oben nach unten wachsen.

    Die beigefügten Fotos, welche Anfang März angefertigt wurden, zeigen den sonderbaren Bewuchs des Betongewölbes.

    Der insgesamt 50 m lange Sandkeller ist einige hundert Jahre alt. Nur der ca. 20m lange Eingangsbereich, in dem die Pilze wachsen, ist mit besagtem Betongewölbe ausgestattet, welches ca. 150 Jahre alt ist. Der Keller ist als Museum nur für angemeldete Besucher zugänglich. Natürlich fragen alle, was den das für ein sonderbarer Pilz ist.

    Danke im Voraus für eure Bemühungen

    Euer Ernst

  • Natürlich fragen alle, was den das für ein sonderbarer Pilz ist.

    Hallo

    Die genaue Art wird vermutlich keiner sagen können. Die gute Nachricht ist, dass der Pilz kein Hausschwamm ist. Aber er zeigt ein Feuchtigkeitsproblem an. Man sieht es auch an dem Eisenträger! Diese Art Decke ist meist porös und rissig. Früher wurde auf der Decke oft organisches Dämmmaterial gelegt. Das ist leicht feucht und gute Nahrung für die Pilze. Vermutlich kommen die Pilze nach oben nicht durch, dann wachsen die eben nach unten.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Ja so ist es, die Feuchtigkeit im Keller beträgt in den Sommermonaten gemessene 97 bis 99 Prozent. Allerdings, als ich im Dezember das erste Exemplar dieses Pilzes gesehen habe, war eine sehr trockene Luft im Keller, worauf aber in den Wochen darauf die restlichen Exemplare heran wuchsen. Die Eisenträger beginnen erst ab etwa Ende April wieder zu schwitzen. Bin schon gespannt, ob es eine weitere Ausbreitung geben wird, wenn die aktuellen Exemplare abgestorben sind und herunterfallen.

    Ich habe auch gleich mal den Beton auf eventuell winzige Risse oder Spalten untersucht - konnte aber nichts finden. Der Pilz klebt scheinbar an der Decke, weil bei den herab gefallenen Pilzen konnte man keinerlei Wurzelwerk erkennen.

    Ich hoffe auch, dass unter den Museumsbesuchern mal jemand der den Pilz benennen kann.

  • Ich habe auch gleich mal den Beton auf eventuell winzige Risse oder Spalten untersucht - konnte aber nichts finden.

    Das glaube ich dir gerne. Die sind für uns auf den ersten Blick nicht sichtbar. Das Myzel findet aber die Risse und Spalten.

    Allerdings, als ich im Dezember das erste Exemplar dieses Pilzes gesehen habe, war eine sehr trockene Luft im Keller, worauf aber in den Wochen darauf die restlichen Exemplare heran wuchsen.

    Die Luft im Keller kann ja trocken sein. Das Pilzmyzel ist aber über der Decke und da kann genug Feuchtigkeit sein.

    Die Pilze verschwinden erst, wenn die "Nahrung" über der Decke aufgebraucht ist oder die Feuchtigkeit nicht mehr da ist.

    Bin schon gespannt, ob es eine weitere Ausbreitung geben wird, wenn die aktuellen Exemplare abgestorben sind und herunterfallen.

    Die kommen so lange, wie Nahrung und Feuchtigkeit vorhanden sind. Nicht vergessen, du siehst nur die Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz, das Myzel ist in der Decke. Die Pilze sind ja auch keine Pflanzen, die brauchen ja nicht einmal Licht zum Wachsen.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Vielleicht wäre ein Hallimasch denkbar. Du könntest mal nähere Aufnahmen in besserer Qualität bei Tageslicht insbesondere von der Unterseite, die hier anscheinend die Oberseite ist, machen, dann ein Schnittbild und einen Sporenabdruck. Das könnte bei der Bestimmung helfen.

    Interessant ist, dass der Pilz ganz offensichtlich "falsch herum" wächst. Die Fruchtschicht gehört eigentlich nach unten, der Hut soll sie vor Regen schützen. Die Sporen sollen eigentlich nach unten aus der Fruchtschicht des Pilzes herausfallen.

    Dieser Pilz gehört ganz offensichtlich nicht an die Decke von so einem Keller. Finde Uwes Vermutung hier sehr plausibel. Wiedermal ein Beweis dafür wie unglaublich anpassungsfähig Pilze sein können.

    Vermutlich kommen die Pilze nach oben nicht durch, dann wachsen die eben nach unten.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Die Humusschicht über dem Keller scheint zB durch Staunässe weniger Luft durchzulassen als der Keller selbst. Die Pilze orientieren sich über CO2 Konzentration in der Umgebung, was ihr Wuchsverhalten angeht ähnlich wie eine Lambdasonde.

    Was das Substrat für den Pilz angeht, werden das die sich auf dem Gewölbe anstauenden Wurzeln von Bäumen und Büschen darüber sein. Selbst wenn früher gern mal Sägespäne in den Mörtel kamen (eher im Hochbau), wäre das vermutlich zu kleinteilig um ein kräftiges, vitales Myzel auszubilden.

  • Die Pilze orientieren sich über CO2 Konzentration in der Umgebung, was ihr Wuchsverhalten angeht ähnlich wie eine Lambdasonde.

    Interessante Aussage! Gibt es dazu verlässliche Quellen, die ich mir mal anschauen könnte?

  • Selbst wenn früher gern mal Sägespäne in den Mörtel kamen (eher im Hochbau), wäre das vermutlich zu kleinteilig um ein kräftiges, vitales Myzel auszubilden.

    Hallo

    Nein, das wurde nicht in den Mörtel gemacht, sondern auf die Decke geschüttet. Wenn man wüsste, was über die Decke ist, könnte man ein klein wenig weiter mit der Bestimmung kommen.

    Eine Nahaufnahme wäre gut und wie der Stiel beschaffen ist, wäre auch sehr interessant.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Auch auf die Gefahr hin das ich mich ganz furchtbar blamiere mal meine Theorie

    Der Beton im vorderen Bereich ist vor 150jajren gegossen worden von Hand abgemischt und auf die Schalung gekippt worden nur manuell verdichtet also nicht mit heutigem Beton in der Dichte vergleichbar

    Auf Bierkeller würde dann normal noch eine Erdschicht aufgebracht quasi als Isolierung

    Und es wurden gerne Kastanien zur Beschattung darauf gepflanzt

    Hat sich jetzt da ein Pilz angesiedelt breitet sich das Myzel Flächig und nach unten aus durchdringt den Beton kommt an der Decke zum Vorschein

    Da es nicht weiterwachsen kann bildet er Pilze aus eventuell gibt es im vorderen Teil auch Tageslicht

    Wenn ich mir die Fruchtkörper anschauen sehen die Stiele in der Mitte seltsam aus als ob er versucht hätte seine Wuchsrichtung nach oben zu korrigieren aber die Schwerkraft des Hutes zu groß gewesen ist und er darum nach unter gewachsen ist

    Vileicht weiß jemand welche Pilze bei Kastanien in Betracht kommen

    Und zu Sägespäne mit Zement ist mir nur die Verwendung als Bodenbelag so eine Art Estrich bekannt

    Zu näheren Pilzbestimun hilft wohl nur auf das nächste Wachstum zu warten abschaben und zum nächsten PSV oder ähnlichem gehen

  • hi Fuchs!

    Hab die Frage erst jetzt gelesen. Das mit der CO2 Konzentration hab ich ehrlich gesagt nur von anderen Nutzern hier zitiert, hab dafür keine Quellen.

    Um noch etwas weiter zu spekulieren: Falls sich mykkhoriza und Zersetzer nicht zu sehr unterscheiden, kann ein Züchter sicherlich bestätigen ob das ZB ohne Licht klappt oder ob die FK dann seltsame Ausprägung erhalten.
    Allem Anschein nach gibt es auch noch bei den primären zersetzern wie baumpilzen geotropismus. also ist meine Aussage nicht allgemeingültig oder zumindest spätestens auf Artebene multifaktoriell.
    Wie die Ständerpilze allgemein ihre FK orientieren muss sicher irgendwelchen Grundregeln folgen. Ob man aber zwischen Steinpilz und Austernseitling genug Ähnlichkeit auf der einen Seite und genug wirtschaftliches Interesse auf der anderen Seite hat, um der Sache auf den Grund zu gehen, kann ich nicht sagen.
    vielleicht ist auch der Fokus auf FK hier weniger wichtig wie CO2 Bindung allgemein? Aber da bin ich weit aus meiner komfortzone…


    Grüße Christoph

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