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Gelbe Krustenflechte an alter Kalksandsteinmauer

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 390 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (21. März 2026 um 15:26) ist von Bemoeh.

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    eine gelbe Krustenflechte vermutlich Caloplaca/Citrina-Gruppe, großflächig an vertikaler (ca. 5m), vollsonniger, freier alter Kalksandsteinmauer, nicht an der Basis, in Citylage, mit Mörtel nachgebessert. Konnte kleine Probe mit Mörtel entnehmen. Thallus krustig, areoliert, körnig, sattes gelb teils leichten orangen Schimmer. Farbtest: K+ purpurrotviolett, C-, P-.

    Wenige winzige Apothecien Ø ca 6 mm vorhanden, flach, Scheibe und Rand Thallusfarbig, Rand ev. etwas reifig. Habe Apothecie für Mikro eingeweicht, Dünnschnitt gemacht und mit Baumwollblau (wohl etwas viel) angefärbt und gequetscht unters Mikro. Es gab viele Ascis und Sporen zu sehen (Fotos). Ascis 8 sporig, keulig zylindrisch, Sporen 2 zellig, elipsoid.

    Ich habe mich für Flavoplaca flavocitrina entschieden?:/ Fundort und Tests könnten passen. Da ich ja noch viel über Flechten lernen muss bitte ich wieder um deine Meinung zur Flechte?

    Habe diese Flechtenart vermutlich schon mal gefunden aber noch nie genauer geschlüsselt.

    LG Bernd

    0-Fundort

    1

    2

    3

    4-Probe

    5-Probe

    6-Thallus

    7-Thallus mit Apothecien

    8-Apothecie

    9-Farbtest K+purpurrotviolett

    10-Farbtest C- negativ

    11-Farbtest P- negativ

    12-Apothecie für Mikro

    13-Ascis unreif

    14-Ascus mit 8 Sporen

    15-Ascus mit 8 Sporen

    16-Ascus mit 8 Sporen

    17-Frei Sporen 2 zellig

    18-Frei Sporen 2 zellig

  • Hallo Bernd,

    ich denke, dass die Zuordnung zu Flavoplaca flavocitrina die vernünftigste Wahl ist.

    Weiter absichern könntest du durch Bestimmung der Hymenium- und Sporenmaße.

    Das Einfärben mit BWB hat doch recht gut geklappt!

    Wenn du noch etwas mehr quetschen könntest, wären die Paraphysen und Asci eventuell noch besser erkennbar, da weiter separiert. Das klappt halt nicht immer gleich gut, und es ist immer die Frage, wieviel Aufwand will man investieren, um eventuell bessere Aufnahmen zu bekommen. Zum Erkennen und Vermessen der Strukturen reicht das so völlig aus!

    Es spielt hier zwar keine Rolle, da die Flechtengattung von vorne herein klar ist, aber ich färbe (zumindest bei völlig unbekannten Arten) lieber erst mal mit Lugol ein. Das hat den Vorteil, dass man so erkennt, ob das Hymenium, oder Teile davon amyloid, inamyloid oder hemiamyloid reagieren, was bestimmungsrelevant ist. Ferner kann man bei geglückter Präparation auch die Substrukturen in der Ascusspitze (Tholus) erkennen und auflösen.

    Prima dargestellt!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    das ist ja mal eine gute Nachricht!!!!! Es war auch eine Herrausforderung diese winzige Apothecie zu bearbeiten. Das Anfärben mit Lugol bei schwierigen Arten ist nun im Hinterstübchen, aber kannst du mir die Bedeutung zur Erkennung von amyloid, inamyloid oder hemiamyloid erklären? Oder wo kann ich das nachlesen ( Beispiele)? So tief bin ich noch nicht vorgedrungen.

    Gruß Bernd

    Nächste Flechte ist in Arbeit.

  • Hallo Bernd,

    zu dem Thema der Amyloidität findest du in der englischsprachigen Wikipedia eine sehr gute Erklärung. Die entsprechende deutsche Seite kannst du dagegen vergessen. Oder ein kurzer Abriss bei Orange, Kapitel 1.2.5 Iodine reactions.

    Meistens reicht es aus, zu testen, ob das Hymenium bei hinreichend viel Lugolgabe (nicht Melzers!) blau (das ist meistens der Fall = euamyloid) oder rot/orange (hemiamyloid) reagiert, oder nur gelb bleibt (inamyloid). Man muss etwas aufpassen, da wenig Jod bei hemiamyloidem Material erst eine Blau-, dann Grün-, ... und letztlich eine Rotfärbung verursacht, je nach Konzentration des eindiffuntierten Jods. Selten kommt es vor, dass Arten z.B. ein rote Hymenium, aber ein blaues Subhymenium zeigen, was bestimmungsrelevant ist. Diese Eigenschaften werden dann meist im Bestimmungsschlüsseln abgefragt.

    Bei sehr, sehr kleinen Quetschproben hilft es u.U., Spuren von Hymenium zu entdecken, falls es reagiert.

    Für die K/J-Reaktion muss man die Probe erst mit KOH vorbehandeln, dann gründlich spülen (Wasser oder Logol), letztlich Lugol beigeben. In diesem Fall reagieren die Asci etwas anders (blau oder eben nicht).

    In machen Fällen sind die Farbreaktionen der Ascusspitzen interessant. Ferner färbt es das Ascoplasma meist gelb bis orangegelb, wodurch ein hübscher Kontrast zur Zellwand entsteht.

    Ein paar Beispiele:

    Einige jodgefärbte Asci. Bei der Verrucaria-Probe links sieht man im Bildeinsatz den Farbumschlag von blau (zentral, geringe Jodkonzentration) nach rot (außen, hohe Jodkonzentration).


    Neben der Bedeutung für die Bestimmung von Gattungen und Arten, macht es auch eine Menge Spaß, wenn man solche Details beobachten kann...


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    das ist sehr aufschlussreich und neu für mich, alles gespeichert. Nun brauche ich einige besinnliche Stunden um das mal zu probieren, bin gespannt.

    Danke für die Info!!!

    Gruß Bernd

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