Eine Krustenflechten-Art?

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 685 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (1. Februar 2026 um 19:21) ist von KaMaMa.

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    eine für mich schwer zu bestimmende Krustenflechte, auch Sauerland 30.10.25, Waldweg-Böschung, regengeschützt, feucht, schattig, auf versteckten felsigen Teilstück (Foto). Steinprobe getestet nicht kalkhaltig.Thallus grüngelblich, mehlig, krustig, rissig, vereinzelt winzig bräunlichgelbe Apothecien, eingebettet oder bis ca. 0.2mm hoch (Lupe). Farbtest K, KC, P alle negativ aber UV+mattorange, wird unter UV und K+gelb, (Lichens marines) (Foto). Nach vielen Versuchen ist es gelungen eine winzige Apothecie unters Mikro zu bekommen, dann vorsichtig gequetscht. Im Durchlicht meine ich kristallige Ablagerungen zu sehen?? Die Scheibe/Köpfchen erscheint bräunlichgelb ohne Rand (Fotos). Was ich beim Quetschen gesehen habe kann ich nicht einordnen ev. Sporen? Keine bessere Auflösung. Trotz mehrerer Vergleiche lande ich immer wieder bei Psilolechia lucida?:/ Martin, wie ist deine Meinung, ist eine Zuordnung eventuell möglich?

    LG Bernd

    1-Fundort

    2-Fundort

    3-Probe Fundort

    4-Probe Fundort

    5-Thallus

    6-Thallus

    7-Thallus + winzige Apothecien

    8-Thallus

    9

    10

    11

    12

    13-Apotehecienscheibe

    14-Apotehecienscheibe

    15

    16-Mikro 400fach??

    17-Mikro 400fach??

  • Hallo Bernd,

    sehr nett! :)

    Die coniocarpen Apothecien (Bild 12) mit gelblich breiftem Stiel passen natürlich nicht zu P. lucida. Das hast du vermutlich schon selbst herausgefunden.

    In guter Ausprägung bildet Psilolechia lucida nämlich intensiv gelbe, eingedrückte bis sitzende, gewölbte Apothecien. Hier ein kleines Exemplar mit sehr ungewöhnlich vielen Apothecien:

    Bild A1 An Basalt-Vertikalfläche: Die einzelligen Sporen sind tropfen- bis eiförmig. Aber schon aufgrund der Apothecien ist der Fall klar: Psilolechia lucida !


    Also eine gelbe, pulvrig-lepröse Kruste auf Silikat! Klassisch kommt neben Psilolechia lucida (R-) noch Crysothrix chlorina (R- möglich) in Frage. UV+ orange weist im Schlüssel auf P. lucida, die Granulengröße kann noch zur Unterschiedung herangezogen werden - aber, wie gesagt, diese Apothecien...

    Ich will mal nicht zuviel verraten - du kommst sicher selber drauf, zumal du ja weißt, wie man "Flechten einfach bestimmt".

    Unter dem Eintrag von P.l. findest du neben C.c. einen dritten Verwechslungspartner erwähnt (ebenfalls R-, UV+organge-rosa), mit passenden Apothecien. Er kommt zwar meist auf Rinde vor, geht aber auch auf Silikat über. Er verheiratet sich zudem mit stäbchenförmigen Algen (Bild 16-17, Stichococcus), was Psilolechia lucida nur sporadisch tut. Die Sporen wären nur 2-3µm groß und kugelig, liegen meist nicht in Ascus vor, denn bis du kommst, um sie anzuschauen haben die Asci ihre Sporen auf der Oberfläche des Apotheciums in Form einer Masse aus Paraphysen leeren Schlächen und Sporen (= Mazeaedium) abgelegt.

    Ansonsten könnte eventuell noch ein coniocarper Parasit auf einer gelben Kruste in Frage kommen. Das wäre exotisch uind das Mazaedium wäre eher schwarz, nicht braun.

    Also Sporen prüfen!

    Viel Spaß,

    Martin

  • Hallo Martin,

    vorab danke fürs Anschauen meiner Flechte, habe wieder vieles dazugelernt und noch weiter zu den Bildern 12 und 16-17 recherchiert. Dabei bin ich bei Italic 8.0 und Lichensmaritimes auf die Art Microcalicium arenarium gestoßen (Apothecien+Sporen), diese Art kommt häufig mit P.lucida auf Silicatgestein vor und würde gut zu meiner Flechtenbeschreibung passen. Martin, was sagst du zu meiner Recherche, bin gespannt!?

    Die typische Gelbfärbung (Bild 10+11) des Thallus unter UV+orange bei Zugabe von K+ zu gelb wird wohl nur bei P. lucida beschrieben?

    Werde jetzt nochmal versuchen von meiner Probe etwas unterm Mikro zu entschlüsseln, mal schauen was ich noch entdecken kann.

    LG Bernd

  • Hallo Bernd,

    ich hatte eigentlich an Chaenotheca furfuracea gedacht, Bist du über diesen Verwechslungspartner beim Recherchieren nicht gestolpert?. Schon das braune (sicher nicht schwarze, schwarzgrüne) Mazaedium, vor allem der deutlich gelb bereifte Stiel weisen meiner Meinung nach in diese Richtung.

    K+ gelb unter UV ist nicht identisch mit K+gelb! Vorsicht.

    Nun, die Probe hast du in Händen, letztlich kannst also nur du die Flechte bestimmen, denn Fotos reichen (oft) nicht aus.

    Ich schlage vor, prüfe die Sporen, wenn du es wwiter kommen möchtest. Daran führt kein Weg vorbei, es ist eine einfache und sichere Unterscheidungsmöglichkeit.

    Sehr gut Quetschen, 1000x, Immersion!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    mit meinen Möglichkeiten bin ich am Ende, habe deinen Vorschlag C. furfuracea nochmal in Angriff genommen und versucht das sehr winzige Stecknadelkopf große dunkle Köpfchen von meiner Steinprobe entnommen gequetscht und unters Mikro, auch mit Oel. Trotz mehrerer Versuche eigentlich kein befriedigendes Ergebnis. Sende noch Fotos vom Versuch mit, ich weiß nicht was ich da gesehen habe!? :confused: Zu guter letzt habe ich dann noch das Abdeckglas zerdrückt da war dann Frust angesagt.

    LG Bernd






  • Hallo Bernd,

    leider sind die Fotos nicht sonderlich scharf. Ich vermute, dass die grünlichen, länglichen Objekte in Bild 16-17 und den beiden letzten, nachgereichten Fotos stäbchenförmige Algen zeigen. Die Bilder sind doch in Wasser aufgenommen? Wie breit sind diese Strukturen, so als Größenvergleich?

    Die nachgereichten Apothecien wirken nicht gelblich (breift). Ist da eventuell ein Farbstich (Weißabgleich!) in deinen Fotos vorhanden?

    Manchmal habe ich zudem den Verdacht, dass du die Fotos vor dem Hochladen absichtlich sehr stark komprimierst und verkleinerst. Die Bildinformation in den letzten Fotos beispielsweise sind sehr gering. Du musst die Bilder nicht selbst komprimieren, die Serversoftware verkleinert sie von alleine auf ein vernünftiges Maß.

    Ist ja nicht schlimm, wenn man nicht alle Rätsel löst. Eigentlich ist das sogar normal! Mit unseren Mitteln und unserem Kenntnisstand sowieso.

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    ja, ich komprimiere die Bilder wenn die Datein zu groß sind, aber wenn die Größe kein Problem für den Server ist werde ich das unterlassen, danke für den Tipp. Leider ist die Übertragung der Bilder mit der Mikrokammera nicht immer sehr scharf, aber damit muss ich leben. Bilder 16 + 17 und die Nachgereichten habe ich auch Stichococcus zugeordnet, gibt gute Beispiele dafür.

    Als Nächstes habe ich immer noch Flechten aus dem Sauerland in Arbeit, alle gut eingetütet.

    LG Bernd

  • Hallo Bernd,

    es wäre doch interessant, das Ergebnis zu sehen, wenn du das allerletzte Foto (umbenannt!) noch einmal unkomprimiert hochladen würdest und direkt unter dem stark komprimierten Bild einbinden würdest, einfach, um den Vergleich zu haben. Ich bin sicher, der Unterschied wäre deutlich.

    Was meinst du?

    LG. Martin

  • Hallo Martin,

    das geht leider nicht mehr, ich habe nur die zuletzt erstellten Bilder abgespeichert alles vorhergehende ist gelöscht. Wenn mir die Fotodateien zu groß erschienen ( über 9 Mb ) habe ich in meinem Nikon Bildbearbeitungsprogramm die Bildgröße um die Hälfte ( Pixel Höhe/Breite) reduziert oder aus der Originaldatei das gewünsche Detail aus geschnitten.

    LG Bernd

  • Nanu Bernd,

    Festplatten sind heutzutage so riesig, da kommt es auf ein paar MB doch nicht an. Nachher ärgert man sich, wenn man zuviel abgeschnitten oder zu sehr verkleinert hast. Ich hebe die Originale deshalb immer auf.

    Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden.

    LG, Martin

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!