Parmelia saxatilis?

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 312 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (2. Dezember 2025 um 19:40) ist von Bemoeh.

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    eine auffällige Blattflechte vom 04.11.2025 bei Brilon-Wald, Laubbaum. Thallus blättrig, Lappen graugrün feucht, trocken (Proben) gräulich mit Pseudocyphellen und koralloiden Isidien (braune Enden) im Zentrum, Lappenränder braun gesäumt. Unterseite schwarz mit schwarzen einfachen + gabeligen Rhizinen, Rand bräunlich. Apothecienscheibe rötlichbraun, Rand dick kerbig. Farbtest Rinde: K+ gelb wird orange, C-, KC-, P+ leicht gelblich. Mark: K+ gelb zu orange, C-, KC-, P+ orangerot. Mikro: Ascis 8 sporig keulig, Sporen 1zellig. Ich denke es ist Parmelia saxatilis!? Martin, wie ist deine Meinung dazu?

    Unterm Mikro interessante Beobachtungen!!

    LG Bernd

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  • Hallo Bernd,

    das ist bestimmt eine Parmelia saxatilis, zumindest im weiteren Sinne. :thumbup:

    Was hältst du denn von Parmelia serrana? Die Isidien wirken nicht schwärzlich auf mich. Sitzen sie nicht auf den Netzrippen und an den Lappenrändern? Wie breit etwa sind denn die Lappen? Überprüfe das doch mal.

    Ist die Flechte auf den ersten 4 Bildern eventuell leicht feucht? Auf dem vergrößerten Folgebild wirkt der Thallus weiß, ist er eventuell bereift? Ist dann Parmelia ernstiae eine Option? Vermutlich nicht, aber prüfe mal gegen P. serrana.

    Parmelia saxatilis kommt schwerpunktmäßig auf Silikat vor.

    LG. Martin

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    P. serrana + P. saxatilis aufzudröseln hat jetzt etwas länger gedauert, schwierig und ohne Ergebnis. Mein Wirth schreibt für ungeübte ( wie ich ) nur durch DNA zu erkennen. Bei Italic und Lichens marins geschaut, auch schwierig und wird dort der P. saxatilis Art zugeordnet. Die Unterschiede sind für mich als Laie mit meinen Möglichkeiten nicht erkennbar, habe es aber versucht und meine Probe nochmal unters Mikro gelegt. Sende einige Fotos mit eventuell ist ja eine Eingrenzung möglich.:/

    Zu deinen Fragen: Ja, bei den ersten 4 Bildern ist die Flechte Regennass, die trockenen Proben sind gräulich. Isidien (Fotos) mit graubraunen Enden gibt es an Lappenrändern + vermehrt zum Zentrum, ob Rhizinen verzweigt sind erkenne ich nicht. Zur Thallusmitte sieht es wie eine vorhandene Bereifung (Foto) aus? Der Lappenrand hat eine bräunliche Färbung. Eine Lappenbreite von ca. 1,5 cm und einen Apothecien Ø von ca. 1-2,2 mm habe ich bei meinen Proben gemessen. Apothecie mit bräunlicher Scheibe und isidiert/gekerbten Rand.

    Lichens marins spricht bei P. saxatilis von einer UV+ leicht violett Färbung, habe ich gemacht (Foto) könnte passen, aber Farbempfindung ist unterschiedlich. So, jetzt habe ich meine Möglichkeiten ausgeschöpft, viel geschrieben, viel gemacht, hoffentlich keinen Unsinn. Martin, deine Meinung dazu wäre hilfreich.

    LG Bernd

    A-UV+Thallus leicht violett

    B- Befeuchtet grünend

    C- trockene Probe gräulich

    D-Lappenrand bräunlich

    E- Apothecienrand isidiert-kerbig

    F- Isidien mit graubraunen Enden

    G-Isidien mit graubraunen Enden

    H- Isidien am Lappenrand

    I- Thallus im Zentrum mit Bereifung??

    J-Lappenbreite

    K-Apothecien Durchmesser

  • Hallo Bernd,

    Parmelien finde ich zwar oft, bin mir aber bei der Zuweisung häufig reichlich unsicher, insbesondere bei den drei Arten der P. saxatilis - Gruppe. Auf deinen letzten Fotos "E-K" ist die trockene Thallusoberfläche weiß bis weißgrau, was ziemlich sicher auf dicke Bereifung zurückzuführen ist.

    Da die Parmelia isidiös ist, kommen meinem Verständnis nach nur P.submontana und P. saxatilis s. lat. in Frage. P. submontana kommt auf Rinde (und Silikatmoosen) vor. Sie ist aber durch das lockere Aufliegen auf dem Substrat und den eingerollten Wuchs recht leicht von den anderen Parmelien zu trennen. Sie liegt hier sicher nicht vor. [Eingerollte Lappen ohne Isidien kommen auch bei Parmelia omphalodes auf Silikat vor.]

    Bild A1 Parmelia submontana mit langen, nach unten hängenden, eingerollten Thalluslappen und hellen Isidien an einem Allee-Birnbaum im Odenwald. Bei dieser Art sind die Isidien soralähnlich.


    Da die Flechte nicht auf Silikat wächst und auch keine schwärzlichen Isidien besitzt, da die Lappenbreite in Richtung 5mm geht, würde ich nicht an P. saxatilis s.str. denken. P. saxatilis (meist auf Silikat) und P. serrana (meist auf Rinde) sind nicht stark bereift.

    Bild A2 Parmelia saxatilis s.str. mit nicht immer rosettigem Wuchs auf Silikat, grau-braunem Thallus mit schwärzlichen, dichten Isidien in der Thallusmitte. Die Flechte gilt als schmallappiger als die anderen isidiösen Parmelien. Buntsandstein, Nordschwarzwald


    Parmelia serrana wächst etwas luftiger, lockerer, liegt dem Substrat nicht so dicht an; die Lappen überlappen stärker, die Isidien sind heller als bei P. saxatilis. Die Isidien kommen insbesondere auch an den Lappenrändern vor. Schwerpunktmäßig kommt sie meinem Verständnis nach auf Rinde vor. Sie ist kaum bereift.

    Bild A3 Parmelia auf Rindenmoos. Lappen breiter, rundlicher; Isidien heller, nicht so dicht stehend; Isidien an den Lappenrändern und auf den Netzrippen in linearer Anordnung. Fichtenstamm, Odenwald. Die Beschreibung passt sehr gut zu den in der Literatur erwähnten Parmelia serrana.


    Aufgrund der Bereifung und dem Vorkommen an Rinde wäre Parmelia ernstiae aus der P. saxatilis-Gruppe (P.saxatilis s.lat.) vermutlich die richtige oder zumindest bessere Zuweisung.

    Bild A4 Deutlich weiß bereifte Parmelia auf Rinde und Rindenmoos in Bildmitte; von oben, links und links unten von Parmelia sulcata überwachsen. Rhön, Ahorn (?). Ich möchte hier Parmelia ernstiae vermuten.


    Die drei Parmelien sind sich untereinander so ähnlich und ihre jeweilige Variationsbreite so groß, dass man sich nur schwerlich sicher sein kann, was da immer für eine Art vorliegt. Deshalb viel Spaß beim Einsortieren! Im Zweifel (meistens!) einfach bei P. saxatilis s.lat. belassen...


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    danke für dein nochmaliges anschauen der letzten Bilder und deiner Foto-Beispiele. Habe alle P.saxatilisarten noch mal angeschaut, ist eine sehr schwierige Gemeinschaft. Würde jetzt aber durch die kräftige Bereifung der Thallusoberfläche mit den Isidien auch für P. ernstiae stimmem, sehr ähnlich zu deinem Bild A4.

    LG Bernd

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