Krustenflechte Graphis scripta?

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 386 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (22. November 2025 um 18:07) ist von Bemoeh.

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    eine Krustenflechte an Laubbaum mit glatter Rinde. Thallus dünn, rau, hellgrau grünlich, teils dunkler Prothallus. Apothecien viele, länglich schmal gebogen, teils verzweigt wie hieroglyphen, schwarz mit dunklen Rand mittig braünlich (Lupe). Konnte vorsichtig einige Apothecien entnehmen. Farbtest: K+ leicht gelbbraun, C, KC, P - negativ. Unterm Mikro ging der Wahnsinn los.:huh: Unmengen prall gefüllte Ascis keulenförmig gefüllt mit 6 bis 8 Sporen. Sporen 6 bis 11 zellig bei mir gezählt. Fotos sind nur ein Auszug aus allen Mikrofotos. Bin begeistert was ich alles gesehen habe! Für mich ein Erstfund. Ich denke es ist eindeutig Graphis scripta? Martin, wie immer deine Meinung zur Flechte ist mir wichtig.

    LG Bernd

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    5-Apothecien länglich schmal gebogen

    6-Apothecien länglich schmal gebogen

    7-Sporen 400fach

    8-Ascis + Sporen- Oel-Handy

    9-Ascus + frei Sporen-Oel-Handy

    10-Ascus + frei werdende Sporen-Oel

    11-Ascus gefüllt mit Sporen-400fach

    12-Ascus gefüllt mit Sporen-400fach

    13-Ascus unreif-Oel

    14-Spore 7-8 zellig-400fach

    15-Sporen 6-11 zelllig-Oel

  • Hallo Bernd,

    auf deinen Fotos ist sicher eine Graphis-Art zu erkennen (auch die Sporen sind typisch) - aber vielleicht liegt da auch noch anderes vor, z.B. Befall?

    Mein erster Gedanke war: Die kompakten schwärzlichen Fruchtkörper, die den größten Teil des Fotos einnehmen, gehören entweder zu einer anderen Flechtenart, oder die Graphis ist dort nur von einem anderen Pilz - wie z.B. Stigmidium elegans - befallen.

    Von wo hast du denn die Hymeniumprobe genommen? Von einer Stelle mit den deutlich langen Apothecien, die ich mit Graphis im Bild markiert habe? Die anderen Bereiche gehören eventuell zum gleichen Thallus, der Thallusrand verläuft unbeindruckt der Änderung über alle Bereiche hinweg. Dagegen spräche jedenfalls die Demarkationslinie (dunkler Grenze, rot übermalt, vgl. Originalfoto!) zwischen beiden Bereichen <=> Kontakt zu anderem Pilz-Individuum. Außerdem wirken die lirellenförmigen Apothecien in Nachbarbereich deutlich kürzer...

    Den Fotos nach, hast du die Miksoprobe aus dem Bereich mit den stark verzweigten (sternförmig), sehr kurzen Lirellen genommen.

    Ausschnitt aus Bild 4 mit zwei Bereichen, die ich makroskopisch G. scripta (s.lat.) zuordnen würde. Der andere, größere Bereich zeigt abweichende Fruchtkörperausprägung oder/und zusätzlich Befall.


    G. scripta ist nicht die einzige Art der Gattung der Schriftflechten. Es gibt zusätzlich nahe verwandte Arten.

    G.scripta selbst wird in bis zu vier Unterarten bzw. Formen unterschieden, von denen ich bislang praktisch immer G. pulverulentula gefunden habe. G. scripta s.str. kenne ich noch nicht. Neuwirth beschreibt die Arten des Scripta-Komplexes ausführlich mit viel Bildmaterial. In der Roten Liste gilt dieser Komplex als eine Art.

    Der Graphis/Phaeographis-Bestimmungsschlüssel verlangt als erstes einen Querschnitt durch das Apothecium, um zu prüfen, wie tief die seitlichen Wände und/oder ob die Basis kohlig geschwärzt ist. Da der eine Pfad zu braunen Sporen führt, ein anderer zu einer verschollenen Art, UND da du K- zeigst, bleibt nur das G. scripta-Agg. übrig, ohnehin mit Abstand die häufigste Art(engruppe). Andere mögliche Arten reagieren K+ gelb => rot, wie G. elegans.

    Es scheint Regionen zu geben, in denen diese Art selten ist. Hier bei mir am mittleren Neckar und auf der Alb ist es eine sehr häufig anzutreffende Kruste auf glatter Rinde in Wäldern (Rotbuche, Hainbuche, Esche). Teilweise sind die Stämme grau/weiß von dieser Flechte. Laut Wirth fehlt sie in Gebieten mit schadstoffbelasteter Luft, bzw. bleibt steril, womit der Thallus kaum dieser Art zuordenbar ist.

    Nach gründlicherer Recherche weiß ich nun: Offenbar sind auch sternenförmig verzweigte Fruchtkörper, so wie du sie zeigst, bei G. scripta möglich. Solche habe ich bislang nicht beobachtet.

    Also kurz und gut: Richtig bestimmt, meiner bescheidenen Meinung nach. :thumbup:

    LG, Martin


    P.S. Die Graphis-Sporen bekommen wesentlich mehr Kontrast, wenn du etwas Lugol unter das Deckglas gibst. Die Sporenwände färben sich kräftig lila, die Zelllumina bleiben klar. Probier's mal aus!


    P.P.S. Du kannst ja auch die Apothecien des Befalls - so denn wirklich einer vorliegt - analysieren.

    Bild A1 Stigmidium microspilum auf Graphis scripta / pulverulentula


    Bild A2 Hymenium von Stigmidium microspilum mit alten, braunen Sporen, Lugol (J+orange);

    Bildeinsätze von jungen, hyalinen Sporen in Wasser.

  • Hallo Martin,

    danke für deine Informationen, den Link habe ich kopiert und schon mal einen Blick riskiert, das ist sehr aufschlussreich, es gibt ja einen Graphis Komplex mit mehreren Arten. Werde an meiner Probe noch mal etwas recherchieren. Mein Farbtest war K+ gelbbraun (Foto) alles andere negativ. Die Entnahmestelle der Apothecie ist nicht aus der rot markierten Stelle. Mehr später, muss den Link erst verarbeiten.

    LG Bernd

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    habe nun an meiner Probe noch ein wenig experimentiert und auch deinen Tipp mit Lugol durchgeführt, hat kontrastreiche Bilder der Sporen ergeben. Auf den Fotos 1 bis 3 das rote ev. Tentrepholia-Algen und ev. der Flechtenpilz einer Stigmidiumart. Foto 5 ist die Probe für die Mikrountersuchung. Auf Foto 8 und 12 ist noch eine kleinere Spore zusehen??? Wie ist deine Meinung zu den Fotos? Nun zum Link von Neuwirth, der hat mir umfassende Infos zum Scripta-Komplex gebracht, die Arten waren mir bisher nicht bekannt. Dabei bin ich über ZOBODAT zu einem Link https://www.zobodat.at/pdf/Natur-und-Heimat_42_0093.pdf über Graphis scripta im Raum Westfalen (in meiner Nähe) gekommen. Die Flechte ist hier seit Jahren nicht mehr beobachtet worden.

    LG Bernd

    1-ev. Tentrepholia-Alge

    2-ev. Tentrepholia-Alge

    3

    4-Apothecien

    5-Apothecie für Mikro

    6-Spore-400fach

    7-Spore-400fach-9zellig

    8-Spore???

    9-Spore-Oel-8zellig

    10-Spore-10zellig

    11-Ascus mit Sporen

    12-Spore groß 10zellig, Spore klein??

  • Hallo Bernd,


    zu den roten/rötlichen Flecken habe ich keine Meinung. Sie sind bereits in Beitrag #3 stark aufgefallen.

    Der Photobiont der Flechte (Trentepohlia bei Graphis) befindet sich immer geschützt im Inneren der Flechte; dennoch kommt es sehr oft vor, dass Biofilme aus Algen, Bakterien, Pilzen, ... den Krusten aufsitzen. Was hier genau vorliegt und die Oberfläche bäunlich/rötlich verfärbt, kann vermutlich nur das Mikroskop eingrenzen helfen.

    In Bild #4-8 ist eine frei flottierende Spore zu sehen. Wo gehört sie hin, zur Flechte oder ist es Fremdmaterial? Die gleiche Frage stellst du in Bild #4-12 zur kleineren Spore. Hier gilt es den Inhalt der Asci zu prüfen und zu vergleichen. In der Bildmitte von #4-11 ist ebenso eine Spore mit verlängerten Endzellen im Ascus zu erkennen. Wo hast du denn diesen Ascus gefunden?

    LG, Martin


    P.S.

    Dass es keine/kaum G. scripta in NRW geben soll, glaube ich nicht. Das von dir zitierte Paper ist von 1980, als die Luftreinheit noch nicht auf heutigem Stand war. Auf der Seite Flechten-Deutschlands.de sind einige Funde auch in NRW kartiert. Eigentlich erkennt man hier besser wo jemand/niemand kartiert, als wo die Flechte vorkommt/nicht vorkommt.

    Vielleicht hast du bisher nicht an der richtigen Stelle gesucht?

  • Hallo Martin,

    der Ascus Bild 11 und alle Sporen sind aus der Apothecienprobe Bild 5 die ich fürs Mikro benutzt habe. Vieleicht sind die kleinen Sporen mit den verlängerten Endzellen vor ihrer endgültigen Entwicklung beim quetschen ausgeflutscht ( Laien interpretation :huh: )

    Und noch ein interessanter Link von dir, danke.:)

    LG Bernd

    Nun sind die Sauerland-Flechten wieder in Arbeit.

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