Eine Peltigera-Art?

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 460 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. Oktober 2025 um 16:18) ist von Bemoeh.

  • KaMaMa

    Hallo Martin,

    diese Peltigera ( Burggraben Falkenburgruine ) ist für mich schon ein schwieriger Fall, habe gezupft/gewaschen usw., Fundort stark grasig/moosig, feucht sonnig. Peltigera großflächig, Lappen aufgerichtet, muschelförmig gebogen, filzig, grau braun schwarz, ev. Soralen (Foto 2) zu erkennen. Apothecien wenig (Foto 5), braun, gekerbter Rand. Unterseite: Weiß/beige mit hellen Adern zur Mitte gräulich werdend. Rhizinen einfach, gebogen, dunkler werdend, Spitze gefasert. Medulla weiß. Chemie negativ. Keine Isidien. Nun raucht mein Kopf vom vielen Vergleichen (auch Italic), ich bin für Peltigera didactyla?:/ Martin was sagst du zur Flechte?

    Die zwei Apothecien der Probe werde ich noch unterm Mikro untersuchen, bin gespannt ob ich Ascis + Sporen finde.

    LG Bernd

    0-Fundort Burggraben

    1

    2-Soralen auf einigen Lappen?

    3

    4

    5-Apothecie braun-gekerbter Rand

    6

    7-Apothecie

    8-Apothecie braun-gekerbter Rand

    9-Apothecie braun

    10-Lappen teils filzig

    11-Lappenoberseite filzig

    12-Unterseite hellbeige

    13-Unterseite Adern beigegrau zur Mitte

    14-Unterseite Adern vorne hellbeige

    15-Medulla weiß

    16-Rhizinen

    17-Rhizinen

    18-Rhizinen

    20-Rhizinen

  • Hallo Bernd,


    ich kann nicht recht glauben, dass diese Peltigera Sorale hat. Ich würde in den weißlichen Flecken eine Bereifung vermuten.

    P. didactyla hat im jugendlichem Stadium Sorale, wenn der Thallus noch sehr klein. Groß wird die Flechte sowieso nicht, hat auch keine langen, tief geteilten Lappen, wie dein Fund, sondern ist eher kompakt; jung sogar klein-muschelig geformt. Spätestens, wenn Apothecien gebildet werden, werden die Lappen etwas größer, und streben nach oben. Die Sorale werden allmählich vollständig rückgebildet. Die Rhizinen sind einfach - im Gegensatz zur sonst ähnlichen P. extenuata, die keine Apothecien bildet und büschelige Rhizinen besitzt.


    Bild A1 Peltigera didactyla mit Apothecien und Soralen; Die kleinen, isolierten Lappen streben senkrecht nach oben; Oberseite filzig


    Bild A2 Peltigera didactyla Größenvergleich vollständiger Thallus


    Der Thallus deines Fundes ist groß, rosettig, in der Mitte bereift. Die Ränder der langen, schmalen Lappen stehen wellig nach oben.

    Der hellen Burgmauer nach zu urteilen, ist das Gebiet Kalkland. Schon das Habitat spricht dann - wenn meine Vermutung zutrifft - gegen P. didactyla, die ziemlich acidophil ist, also meist auf sauren Böden vorkommt, während P. rufescens gerne auf basischen Böden lebt.

    Du solltest deinen Fund also mal mit Peltigera rufescens vergleichen:

    Bild A3 Peltigera rufescens, zugegeben nicht das schönste Beispiel, aber mit typisch welligen, aufsteigenden Lappenrändern auf kalkhaltigem, trockenem, sonnigem Boden


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    da habe ich mich wohl vor lauter Rhizinen + Formen in eine falsche Richtung leiten lassen. Es gab keine dunklen Adern auf völlig heller Unterseite, das hat mich zu P. didactyla geführt, aber wie du sagst meine Lappen sind sehr groß + tief eingebuchtet, deutet auf P. rufescens hin. Wie würdest du mein Rhizinen bezeichnen? Einfach gebogen und an den Spitzen ausgefranst, oder?:hmmm: Trotz Beispielfotos für mich schwierig einzuordnen.

    Egal, jetzt kommen die Apo unters Mikro mal schauen was ich sehe.

    LG Bernd

  • Hallo Bernd,

    ich finde die Peltigeren auch nicht sehr leicht zu bestimmen, da sie einander schon recht ähneln können und in Größe, Form, Farbe etc. einiges an Variationsbreite abdecken. Mikroskopie hilft da scheinbar nicht weiter, da sind sie sich noch ähnlicher. Auch die Flechtenstoffe sind sehr ähnlich bis gleich und Tüpfel bringt ebenfalls nichts. Es bleibt nur das Habitat/Substrat und die makroskopische Erscheinung zur Beurteilung.

    Man halt darf nicht in die Falle tappen, etwas bestimmtes sehen zu meinen und das im Schlüssel bestätigt sehen zu wollen. Man muss immer offen bleiben dafür, dass der erste Eindruck (völlig) falsch war und die Alternativen ernsthaft prüfen. Und immer (!) auch das typische Habitat mitprüfen, ob die Bestimmung überhaupt Sinn macht. Erst wenn alles passt - und da muss man wirklich alles Wort für Wort lesen und mit dem Fund gegenprüfen, kann man halbwegs sicher sein, dass die Bestimmung stimmt.

    Die Rhizinen? Ich bin oft zu vorsichtig, weil ich nicht viel entnehmen will, um erwische u.U. zu viel vom Rand und zu wenig von der Thallusmitte. Die Rhizinen verändern sich mit den Alter.

    Nun in deinen Fotos 12 / 20 sehr ich bräunliche (feucht wahrscheinlich relativ dunkle) Rhizinen. Die Rhizinen fasern an den Enden auf, einige dieser aufgefaserten Enden verfilzen miteinader. Nicht alle und nicht überall, aber es gibt welche, die das tun. Ich lese: "Rhizinen (außer am Rand) dunkel, dicht verzweigt und büschelig zusammenfließend". Da sehe ich keinen Widerspruch.

    Sehr ich das richtig, das der Boden vermutlich kalkhaltig ist?

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    habe noch versucht zu Recherchieren, ja der Boden ist in dem Gebiet kalkhaltig, die Burg wurde aus Kalksandstein der Gegend errichtet und die Peltigera-Arten sind untereinander fast alle ähnlich aufgebaut ( wie du auch schreibst ) ist unter Italic auch zu sehen und beschrieben. Meine Neugier hat mir Stunden am Mikro beschert mit interessanten Fotos ( ca. 20 ) aber mein Wissen reicht nicht für eine genaue Schlüsselung. Trotzdem sende ich ein paar Fotos mit meiner Beschreibung dazu mit, deine Meinung ob ich das richtig erkannt habe würde mir sehr helfen. Foto 1 bis 2 Mikro 400fach, Foto 3+4 Mikro + Oel, Foto 5 bis 7 Mikro+ Oel mit Handy.

    Auf Grund des Habitat+Substrat und der Erscheinungsform geht die Flechte nun als P. rufescens ins Archiv.

    LG und Dank für deine Hilfe Bernd

    1aa-Asci-400fach

    1a-Asci ende

    2-Sporen Mikro 400fach

    3-Asci Mikro+Oel

    4-Sporen?-Mikro+Oel

    5-Asci + Sporen Mikro Oel mit Handy

    6-Asci-Mikro Oel mit Handy

    7-Asci + ??- Mikro Oel mit Handy

  • Hallo Bernd,

    Bild 1ab zeigen den gleichen Ascus (Einzahl) mit mehrzelligen, nadelförmigen, querseptierten Sporen. Sporensepten nicht eingeschnürt.

    Im ersten Foto ist die Ascusspitze zu sehen.

    Bild 2 zeigt eventuell die Paraphysen (sterile Stütz- und Schutzyphen des Hymeniums) zwischen denen die Asci (Mehrzahl) eingebettet sind. Die Septen sind hier deutlich eingeschnürt.

    Bild 3 1 Ascus, verbogen, geknickt

    Bild 4 Bündel aus 6-8 Sporen, wie urspr im Ascus gelegen

    Bild 5 Ein Ascus mit Sporen im Inneren und freie Sporen.

    Bild 6 Ascus, zerrissen. Ev tritt eine Sporenende unten aus

    Bild Ein dickerer Ascus mit Sporen und etliche dünnere Paraphysen

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    ich bin erfreut:) über deine Erklärungen zu meinen Fotos, da hat sich meine Mühe ja gelohnt, klasse. Werde die Fotos mit entsprechender Beschreibung als Hilfe für mich archivieren.

    LG Bernd

    Wir sind ab 28.10 wieder für 10 Tage zum Wandern im Sauerland, ev. auch ein Blick nach Flechten.

  • Hallo,

    P.rufescens Gruppe ist aufgrund der aufstrebenden

    Lobenenden und des dichten oberflächlichen Filzes ok.

    Die wulstige Aderung bis ins Zentrum hell bleibend und die einfachen Rhizinen

    Sprechen für mich aber mehr für P.Ponojensis,


    LG

    Ernst

  • Hallo Ernst,

    schon, wieder von dir zu lesen.

    Interessanter Einwand mit Ponojensis, das sollte man nochmal gegenprüfen.

    LG, Martin

  • Hallo Ernst,

    Hallo Martin,

    das ist ja ein interessanter Einwand, diese Art ist mir bisher auch nicht bekannt, wird bei Wirth auch nicht beschrieben. Sehe aber jetzt bei Italic das eine Verwechslung mit P. rufescens durchaus möglich ist.

    Danke für die Info

    Bernd

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