Wie kann man Schnecklinge sicher identifizieren - wenn das überhaupt geht.

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 554 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (15. Oktober 2025 um 12:21) ist von StephanW.

  • Hallo Pilzfreunde.

    Heute habe ich zwei Kolonien im Abstand weniger Meter gefunden.

    Der Pilz riecht hervorragend - einem Champignon sehr ähnlich. Ich habe den Stiel komplett ausgegraben um eine Weissen Knollenblätterpilz ausschliessen zu können. Meine Hoffnung wäre, dass es sich um einen Schneckling handelt, aber die Bestimmung ist mir zu heikel.


    Daher würde mich die Einschätzung erfahrenener Sammler interessieren.


    Wie geht man an die Bestimmung ran, wenn es so viele Verwechslungsmöglichkeiten gibt?


    Meine Einschätzungen:

    Zum Elfenbeinschneckling passt die feine Lamellenstruktur nicht.

    Auch der Trockene Schneckling ist da viel gröber.

    Gleiches beim trockenen Eichenschneckling, der dazu noch einen flockigen Stiel haben müsste.


    Der Cremeweißer Krempentrichterling, Blasser Krempenritterling hat viel verzweigtere Lamellen.

    Mehlpilz, Großer Mehlräsling passen die Lamellen nicht.

    Mairitterling, Maipilz, Maiblattl, Georgsritterling, Gelber Schönkopf, Maischönkopf hätte einen etwas dunkleren Hut und es ist Oktober.

    Langstieliger Pfeffermilchling, Pfeffermilchling, Schlanker Pfeffermilchling. Er milcht nur an der Stelle am Stiel, an der ich die Kolonie getrennt hatte - nicht aber an den Lamellen.

    Wurzelnder Schönkopf, Gegürtelter Schönkopf, Gemeiner Weißritterling. Die Lamellen müssten gröber sein.


    Von allen Eingrenzungen scheinen mir die giftigen am nächsten zu liegen:

    Weißer Büschel-Rasling, Weißer Rasling, Lärchenspornritterling, Weißer Büschelrasling scheint mir momentan am nächsten zu liegen.

    Vielleicht auch noch der Erdigriechender Firnistrichterling.


    Nun kann es natürlich sein, dass die Eingrenzung Lücken hatte - und das ist keineswegs unwahrscheinlich.


    Ist mein Vorgehen der Eingrenzung so richtig oder würden euch andere Merkmale oder Vorschläge einfallen?


    Dank im Vorraus.

  • Hallo,

    für einen Schneckling stimmt die Lamellenhaltung nicht. Die Lamellen sollten ähnlich wie bei einem Trichterling mehr am Stiel herablaufen. Auch wären diese relativ dick, wachsartig und entferntstehend. Das hier wird wohl stattdessen der Weiße Büschelrasling sein. In diesem Fall ist vom Verzehr abzuraten, es gibt da über den WBR einige Geschichten.

    FG

    SzephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • würden euch andere Merkmale einfallen?

    Hier vor allem das Büschelige Wachstum (siehe Stephans Antwort).

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hallo Tessiner

    Wie geht man an die Bestimmung ran, wenn es so viele Verwechslungsmöglichkeiten gibt?

    Wenn du weiterkommen willst, musst du dir für die Bestimmung ein System erarbeiten. Man kann sich nicht jede Art einzeln merken, daher geht man systematisch vor und versucht zuerst mal die richtige Gattung zu erkennen. Dabei gibt es vieles zu berücksichtigen, neben dem Aussehen des Pilzes, unter anderem auch sein Geruch und das Habitat (sauer, basisch, Begleitbäume). Oft muss man auch die Sporenpulverfarbe durch einen Sparenabwurf ermitteln, um weiterzukommen. Man sammelt zunächst möglichst viele Infos und kann dann mit einem Schlüssel herausfinden, um welchen Pilz es sich handeln könnte. Dazu kauft man sich am besten ein gutes Buch, das seinem Level entspricht. Für den Anfang empfehle ich gerne Grundkurs Pilzbestimmung von Rita Lüders, Handbuch für Pilzsammler von Andreas Gminder oder Die Pilze Deutschlands von Jürgen Guthmann und Christoph Hahn.

    LG
    Benjamin

    Mit meinen Beiträgen gebe ich lediglich meine persönliche Einschätzung/Meinung ab. Sie sind nur als Vorschläge zu werten und es gibt damit insbesondere keine Verzehrsfreigaben meinerseits. Eine sichere Bestimmung sowie Verzehrsfreigabe kann nur der Pilzkontrolleur bzw. Pilzsachverständige vor Ort geben.

  • Zur Ausgangsfrage: Wie kann man Schnecklinge sicher identifizieren?

    Das ist in der Tat nicht so einfach, weil die Gattungsmerkmale nicht trennscharf sind und auch bei anderen Arten vorkommen. Der BUND Berlin nennt in seinen Schulungsunterlagen für die dortige PSV-Prüfung unter anderem folgende Merkmale:

    *Kleine bis maximal mittelgroße Pilze
    *Dicke, wachsartige Lamellen
    *Schleimiger Hut
    *Nicht hygrophan
    *Stumpfe Hutfarben
    *Lamellen schmal bis breit angewachsen oder herablaufend, kein Burggraben, nie freistehend
    *Weißes Sporenpulver
    *Bei Verletzung nicht verfärbend
    *Immer Symbiosepilze

    Das führt aber nicht immer zu einer sicheren Gattungsbestimmung, anders als bei Schleierlingen, wo das durch den Schleier und rostbraunes Sporenpulver (wenn vorhanden) meist sicher gelingt. Z.B. ist hat der Trockene Schneckling keinen schleimigen Hut, der Gelbe Lärchenschneckling hat keine stumpfe Hutfarbe und der Verfärbende Schneckling verfärbt, zwar nicht unbedingt direkt bei Verletzung aber im Alter.

    Meistens kann mit den wachsartigen Lamellen, dem Lamellenansatz, dem schleimigem Hut und der Sporenpulver- bzw. Lamellenfarbe eine starke Vermutung formuliert werden. Mit Geruch, Geschmack, umstehenden Bäumen und eventuell Reagenzien wie KOH kann man die Vermutung dann absichern und oft auch zur Art kommen.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hallo zusammen,

    ich hätte zu MisterXens toller Liste noch die verjüngte bis zugespitzte Stielbasis zu ergänzen.

    Der Gattungsname Schneckling kommt von der Schleimschicht, die bei fast allen Schnecklingen die Hutoberfläche und oftmals auch die Stielrinde überzieht. Leider gibt es Schnecklingsarten auch ohne diese Schleimschicht, die sind dann ziemlich schwierig zu erkennen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

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