Spannendes aus der Pilzberatung

Es gibt 21 Antworten in diesem Thema, welches 1.552 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (10. November 2025 um 17:55) ist von StephanW.

  • Hallo Pilzfreunde,

    heute kamen einige echt spannende Funde rein. Für mich alles Erstsichtungen (Erst"funde" sind es ja nicht, wenn die jemand anderes mitbringt):

    1. Natternstieliger Schleimfuß (Cortinarius trivialis). Lt. Gminder/Karasch ist er in Deutschland weit verbreitet. Bei uns wohl nicht, der PSV in der Pilzberatung, der seit Jahrzehnten Pilze sammelt, meinte er sieht den zum ersten Mal.

    2. Weißer Rasling: Ob das jetzt "Lerchensporn" ist kann ich schlecht sagen, dummerweise blüht der im Frühjahr, aber er riecht definitiv süßlich.

    3. Schwarzer Duftstacheling (Phellodon niger). Riecht deutlich nach Maggi, tun aber wohl andere Ähnliche auch. Bestimmt durch KOH-Reaktion (dunkelgrün, sowohl im Fleisch als auch auf dem Hut), die leider in den Lichtverhältnissen vor Ort auf den Bildern nicht so rauskommt. In der Realität war es aber eindeutig (wurde dann aber recht schnell schwärzlich).

    4. Gelbmilchender Becherling (Peziza succosa). Die Gelbfärbung der Milch sah man aber nur nach ein paar Minuten auf dem Taschentuch gut. Im besseren Licht war es sogar ein richtig starkes Neongelb.

    5. Braunroter Blätterwirrling (Daedaleopsis tricolor). Durch die mehrfachen Gabelungen der labyrinthischen Lamellen war er gut bestimmbar.

    6. Dreifarbiger Krempenritterling (Leucopaxillus compactus). Wurde als solcher bestimmt, von einem sehr erfahrenen Pilzexperten. Mir war die Art unbekannt.

    7. Auch interessant: Beim Grünen Knollenblätterpilz lernt man, die Huthaut ist bis zur Hutmitte tortenstückartig abziehbar. Bei dem hier hats überhaupt nicht funktioniert. Gute Erinnerung, dass einzelne Merkmale immer wieder auch mal nicht idealtypisch zutreffen können.

    8. Und zum Schluss noch: Der erste Baby-Samtfußrübling der Saison :)

    Wünsche euch allen weiter frohes Sammeln und Bestimmen!

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Lieber MisterX

    Danke für deine Berichterstattung. Du musst eigentlich nicht bis im Frühjahr auf den Lärchensporn warten.
    Du könntest bei Leucocybe connata, dem weissem Büschelrasling einfach etwas Eisen II Sulfat anbringen, welches sich dann lilaviolett verfärbt. Der eigentümlich aufdringlich süsse Geruch finde ich auch unverkennbar, meistens entfaltete sich dieser bei mir erst etwas später richtig.



    Beste Grüsse
    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben.
    Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Du könntest bei Leucocybe connata, dem weissem Büschelrasling einfach etwas Eisen II Sulfat anbringen

    Hallo Corinne, als Täublingsexpertin hast du das sicher immer zur Hand :thumbup: In meiner Reagenziensammlung ist leider nur KOH und Melzer ^^

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hallo Corinne, als Täublingsexpertin hast du das sicher immer zur Hand :thumbup: In meiner Reagenziensammlung ist leider nur KOH und Melzer ^^

    Lieber MisterX

    Haha! Ich bin zwar alles andere als eine Täublingsexpertin aber FEsO4 gehört in der Tat zu meinen Hausgenossen.
    Liebe Grüsse
    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben.
    Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Hallo MisterX,

    der Stacheling wäre für die Option Phellodon niger sehr ungewöhnlich gefärbt. Phellodon niger ist typischerweise blauschwarz gefärbt mit weißen Zuwachszonen, deswegen das Epithet "niger". Dein Pilz sieht dagegen eher braunrosa aus. Falls das Pilzfleisch eher zart und mürbe ist, käme mMn stattdessen Bankera violascens (bei Fichte!) oder vielleicht auch Bankera fuligineoalba (bei Kiefer!) in Betracht. Nur wenn das Fleisch korkartig-zäh ist, kommt ein Phellodon in Betracht. Sowohl die Bankeras als auch die Phellodons riechen nach Maggiwürze.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Stephan,

    vielen Dank für die sehr interessanten Einwände, und gleich vorab, ich glaube du hast Recht und wir haben falsch bestimmt.

    der Stacheling wäre für die Option Phellodon niger sehr ungewöhnlich gefärbt. Phellodon niger ist typischerweise blauschwarz gefärbt mit weißen Zuwachszonen, deswegen das Epithet "niger". Dein Pilz sieht dagegen eher braunrosa aus.

    Wir hatten den mit den Zeichnungen im Gminder/Karasch vergleichen. Schon da ist uns ein Unterschied aufgefallen, das hatten wir aber darauf zurückgeführt, dass es eben Zeichnungen sind und für eine normale Abweichung gehalten. Die von dir vorgeschlagenen Arten passen farblich aber eindeutig besser.

    Falls das Pilzfleisch eher zart und mürbe ist, käme mMn stattdessen Bankera violascens (bei Fichte!) oder vielleicht auch Bankera fuligineoalba (bei Kiefer!) in Betracht. Nur wenn das Fleisch korkartig-zäh ist, kommt ein Phellodon in Betracht.

    Das Fleisch war definitiv mürbe, bzw. teilweise sogar fast bröselig. Auf keinen Fall korkartig.

    Sowohl die Bankeras als auch die Phellodons riechen nach Maggiwürze.

    Bankera violascens passt in der Tat hervorragend, da er deutliche Violetttöne hatte, was auf dem Bild auch ansatzweise zu sehen ist. Geruch nach Maggi passt auch. Fleisch "weich (nicht korkig-zäh), etwas faserig, immer mit einem rosa bis lilafarbenen Ton". Und die KOH-Reaktion..."sofort grün bis olivgrün verfärbend", stimmt auch.

    Violetter Weißsporstacheling, Violetter Stacheling, Violetter Korkstacheling (BANKERA VIOLASCENS)

    Ja, der ist es! Wir haben falsch bestimmt.

    Der Grund war: Bankera violascens steht im Gminder/Karasch auf der gleichen Seite wie Phellodon niger (S. 584, 1. Aufl.) allerdings ohne Angabe zur KOH-Reaktion. Von den Phellodon/Bankera-Arten mit Liebstöckel-Geruch steht dort nur bei Phellodon niger eine grüne KOH-Reaktion. Daher dachten wir, es kann nur der sein und nicht ausreichend beachtet, dass die Fleischkonsistenz nicht stimmt ("korkig lederartig" bei Phellodon niger).

    Herzlichen Dank für den Hinweis :thumbup:

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Na ja, nun ist Bankera violascens auch ein ziemlich seltener Pilz, wie eigentlich alle Stachelinge außer dem Gewöhnlichen Habichtspilz. Wenn du mal viele davon gesehen hast, fällt die Bestimmung leichter, als wenn du den Pilz das erste mal siehst (was bei Stachelingen eigentlich immer der Fall ist!). In den meisten Pilzbüchern werden die Stachelinge ob ihrer großen Seltenheit auch sehr stiefmütterlich behandelt, so dass einem das "Einfuchsen" in die Stachelinge nicht leicht gemacht wird.

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo,

    Der erste Baby-Samtfußrübling der Saison

    bist Du dir da sicher? Ich hätte den eher als eine Tubaria bezeichnet. Leider kann man die Bilder nicht vergrößern.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • bist Du dir da sicher? Ich hätte den eher als eine Tubaria bezeichnet.

    Nein, sicher nicht, aber der Stiel war verdrehbar und zurückfedernd, daher die Vermutung, dass es ein Rübling ist. Mit Hut, Lamellen und Stielfarbe war ich dann beim Samtfußrübling. Der hat auf manchen Substraten auch anscheinend sehr kleine Fruchtkörper. Wurde wohl auch direkt auf Holz gefunden.

    Leider kann man die Bilder nicht vergrößern.

    Man kann Strg gedrückt halten und dann entweder + drücken oder mit dem Mausrad heranzoomen.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hallo,

    Man kann Strg gedrückt halten und dann entweder + drücken oder mit dem Mausrad heranzoomen.

    bei mir funktioniert das nicht;(. Selbst wenn das einer wäre bist Du nicht der erste der die gefunden hat. Vor zwei Wochen haben die mich auch schon erschreckt:P. Guckst Du hier! So zeitig hatte ich den noch nie.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Sammlerin am Wochenende in der Pilzberatung: "Wir haben einen Pilz im Auto der ist so groß, dass wir ihn nicht reinbringen können."

    :noway:

    80 cm Durchmesser. Wurde freigegeben.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hallo

    Ich hätte den nicht so komplett geerntet und ins Auto gelegt. Darin verbergen sich oft viele Tierchen ........

    Grüße von der Insel Rügen

  • Ich hätte den nicht so komplett geerntet und ins Auto gelegt. Darin verbergen sich oft viele Tierchen ........

    Dazu muss man allerdings sagen, er war auf der Ladefläche von so einem Pickup Truck, wie sie es in den USA oft haben. Also nicht im Innenraum des Autos.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Und - wurde der freigegeben? Und wenn ja, als was?

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Und - wurde der freigegeben? Und wenn ja, als was?

    Ja, wurde freigegeben (natürlich nicht von mir sondern vom PSV der Pilzkontrollstelle), als Austernseitling. Vorher wurde Geruch, Konsistenz und Farbe des Fleisches natürlich ausführlich geprüft. War teilweise schon zäh, aber keine Hinweise auf Fäulnis oder Schimmel. Geruch war unauffällig.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hat wirklich jemand den Knolli mit in die Pilzberatung gebracht?! Ist das nicht das absolute kleine 1x1 bevor ich losziehe, dass ich wenigstens den giftigsten und tödlichsten Pilz, den man ja wirklich auch ganz gut erkennen kann (Kelch des Todes etc) nicht sammle?
    Man startet doch erstmal mit Röhlingen?! Ich bin nur etwas erschrocken über diese Fahrlässigkeit.

  • Hat wirklich jemand den Knolli mit in die Pilzberatung gebracht?! Ist das nicht das absolute kleine 1x1 bevor ich losziehe, dass ich wenigstens den giftigsten und tödlichsten Pilz, den man ja wirklich auch ganz gut erkennen kann (Kelch des Todes etc) nicht sammle?
    Man startet doch erstmal mit Röhlingen?! Ich bin nur etwas erschrocken über diese Fahrlässigkeit.

    He finest,

    Giftpilze mit in die Beratung zu bringen ist vollkommen legitim. Fahrlässig wird es erst, wenn die zusammen mit zum Verzehren vorgesehenen Speisepilzen bspw im gleichen Korb transportiert werden, weil dann Stücken der Giftpilze abbrechen und bei entsprechender Sorglosigkeit mit in die Pfanne wandern könnten. Ansonsten ist es sogar vernünftig, wenn sich lernende Pilzsammler mit a) besonders giftigen Arten und b) mit Verwechslungspartnern ihrer Zielpilze auseinandersetzen und professionellen Rat dazu einholen. Dafür wäre es dann richtig, die Pilze getrennt zu transportieren. In der PSV Praxis gibt's dann regelmäßig den Fall, dass die bekannten Speisepilze in Korb A landen und die Unbekannten einschließlich potentiell gefährlich giftiger Arten in Korb B. Und wenn in Korb B zwischen guten Speisepilzen auch giftige Arten liegen und alles einigermaßen durchgeschüttelt zur Kontrolle kommt, dann gibt's für Speisepilze aus Korb B halt meist keine Freigabe.

    Viele Grüße

    Reike

  • MisterX ich hab A. phalloides betreffend bei vielen Arten die Beobachtung gemacht, dass konkret die Abziehbarkeit der Huthaut sich verändert, wenn der Pilz sich zersetzt und dass die überraschendsten Veränderungen nach den ersten leichten Frösten entstehen, wenn die Fruchtkörper noch gut aussehen, aber auf Zeilebene schon einen Knacks weghaben. Vielleicht lässt sich der vorliegende Fall auch damit erklären. Jetzt ist die ideale Zeit im Flachland, um damit zu experimentieren.

  • ReikeT

    Vielen Dank für die „Richtigstellung“ und Erklärung. Ich ging davon aus, dass Menschen zur Pilzberatung gehen, um sich abzusichern, dass man due gesammelten Pilze essen kann. Das ist natürlich eine super Sache, dass man zum Lernen auch Giftpilze hinbringen darf! Wusste ich nicht, würde ich auch gerne mal machen bzw. Pilze, bei denen ich einfach gerne wüsste, was es ist.

    Leider gibts bei mir in der Nähe ca 30 Minuten mit dem Auto entfernt nur einen PSV auf den Listen - und immer, wenn ich mal angerufen habe, ist niemand rangegangen. Aber ich hoffe, ihn mal zu erwischen und dann etwas zu lernen.


    Liebe Grüße

  • Hat wirklich jemand den Knolli mit in die Pilzberatung gebracht?!

    Nein, den hat einer der Beisitzer als Anschauungsmaterial mitgebracht. Hätte ich dazu schreiben sollen.

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • ReikeT

    Vielen Dank für die „Richtigstellung“ und Erklärung. Ich ging davon aus, dass Menschen zur Pilzberatung gehen, um sich abzusichern, dass man due gesammelten Pilze essen kann. Das ist natürlich eine super Sache, dass man zum Lernen auch Giftpilze hinbringen darf! Wusste ich nicht, würde ich auch gerne mal machen bzw. Pilze, bei denen ich einfach gerne wüsste, was es ist.

    Leider gibts bei mir in der Nähe ca 30 Minuten mit dem Auto entfernt nur einen PSV auf den Listen - und immer, wenn ich mal angerufen habe, ist niemand rangegangen. Aber ich hoffe, ihn mal zu erwischen und dann etwas zu lernen.


    Liebe Grüße

    Hallo finestfire,

    du kannst auch einen Pilz, der dir giftig vorkommt, hier anfragen: "Hallo Leute, ich glaube dass ich hier einen Giftpilz vor mir habe, und zwar den {Platzhalter}. Könnt ihr mir den bestätigen?" Auf solche Anfragen antworten die Auskenner hier sehr gern. So musst du nicht so weit zu einem Pilzberater fahren. Der spezielle Nutzen des Pilzberaters liegt ja nicht in der Giftpilzidentifikation, sondern in der Erteilung einer Essempfehlung.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

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