Unbekannte Flechten aus Oberfranken

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 427 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (21. Januar 2025 um 16:22) ist von Thomas Gerl.

  • Liebes Forum,

    Ich starte gerade mit der Flechten-bestimmung und bin mir bei der Bestimmung super unsicher. Vielleicht könnt ihr mir ja bei folgenden Arten helfen. Alle Arten wurden Ende Dezember bei Hof an der Saale / Oberfranken / 550m auf Diabas-Gestein gesehen:

    Bild 1a und 1b

    Mein Tipp: Psilocechia lucida oder Chrysothrix chlorina

    Bild 2

    Mein Tipp: irgendeine Lepraria???

    Bild 3:

    Mein Tipp: Phlyctis sp???

    Bild 4: Flechte auf Asphalt

    Mein Tipp: Lecanura muralis

    Ich würde mich freuen, wenn ihr mir bei der Bestimmung helfen könntet
    Beste Grüße,
    Thomas

  • Hallo Thomas,

    vorneweg: ich weiß nicht, ob du schon ein paar Chemikalien für die Tüpfeltests besorgt hast. Die Tests sind häufig schon zur Orientierung, aber auch genaueren Bestimmung sehr hilfreich oder gar nötig. Zumindest Lauge (NaOH stat KOH, z.B. aus dem Rohrreiniger-Granulat picken - VORSICHT starke Lauge!) und Hydrochloridlösung (Bleichmittel) sollten im Haushalt auffindbar sein und für erste kostenneutrale Tests zur Verfügung stehen.

    ad 1: Bei der gelben, leprösen Flechte teile ich deinen Verdacht: Chysotrix chlorina hat oft dickliche, rissige Thalli, kann aber auch dünner auftreten. Sie hat praktisch nie Apothecien und reagiert mit Lauge (leider nicht nicht immer) leicht orange - im Gegensatz zu Psilolechia. Du kannst etwas vom Thallus mit einer Messerspitze abkratzen und in einem geschlossenen Gefäß mit nach Hause nehmen. Dort, z.B. auf einer weißen Untertasse, mit ein wenig Lauge konfrontieren und beobachten, was passiert. Psilolechia lucida ist häufiger, kommt auch auf anthropogenen Substraten vor, ist dünn und gelb mit Grünstich, reagiert nicht mit KOH. Ohne Tüpfeln und Mikroskopie würde ich mich nicht trauen, die Art zu benennen.

    ad 2: Die zweite Flechte ist vermutlich eine Lepraria, ganz wie du schon gesagt hast. Leprarien sind sehr schwierig zu bestimmen - von denen lasse ich meist die Finger. Hier ist Tüpfeln zwingend nötig, ein UV-Test ist ergänzend hilfreich und dann weißt du immer noch viel zu wenig, um die Art sicher zu bestimmen! In Deutschland sind über 20 Leprarien bekannt und es gibt weitere Flechtengattungen, die sehr, sehr ähnlich aussehen können. Mit nur einem Foto ist da nichts auszurichten.

    ad 3: Ist das sicher eine Flechte? Hast du mal mit der Messerspitze oder dem Fingernagel darüber gekratzt und eine grüne, gelbe oder orange Ritzspur erzeugt? Das würde relativ sicher auf Algen hinweisen und der Flechtenverdacht wäre erhärtet. Dann geht es weiter mit Tüpfelchemie und Mikroskopie.

    ad 4: Das vierte Bild zeigt eine Krustenflechte mit hellen Apothecien. Mehr erkenne ich leider auf dem einen Foto leider nicht. Stärker vergrößerte Fotos mit mehr Details neben dem Übersichtsbild würden helfen.

    ad 5: Die sorediöse Blattflechte ist Parmelia sulcata. :thumbup:


    Es liegt mir fern, dich zu enttäuschen oder zu frustieren - aber Krustenflechten sind schwierig zu bestimmen, insbesondere solche mit wenig bis keiner Struktur, wie deine gewählten Beispiele. Sehr schwierig!

    Blattflechten hingegen sind für den Anfänger die idealen Übungsobjekte, da sie große Lager bilden, an denen die Details besser zu erkennen sind. Krustenflechten sind viel, viel schwieriger, nicht zuletzt weil es SEHR viel mehr davon gibt und dort ohne Mikroskop häufig gar nichts geht! Bei den Makroflechten (Strauch- und Blattflechten) reicht häufig eine gute Lupe aus und man kommt mit der Bestimmung schon viel weiter, Erfolgserlebnisse stellen sich schneller ein. Krustenflechten sind ohne Chemie und Mikroskop nicht bestimmbar, was schnell frustrierend ist, bzw. man glaubt irgend etwas bestimmt zu haben, was oft aber gar nicht stimmt, weil man nur aus einem Bilderkatalog etwas ähnliches auswählt. Bestimmungsschlüssel zu haben und zu benutzen ist ebenfalls nötig. Schau mal z.B. bei Italic rein, dann verstehst du besser, worauf es ankommt. Ansonsten gibt es ja auch die Foren, die sehr hilfreich sein können.

    Wenn du etwas Zeit investiert, hast du aber ein wirklich lohnendes Hobby gefunden. :)

    LG, Martin

  • Hallo Thomas,

    toll das du dich mit der Flechtenbestimmung anfreunden willst, es ist spannend und hochinteressant. Aber es ist so wie Martin dir schreibt, einige Hilfsmittel ( Chemie-Myko-Service Andreas Gminder, Literatur- Flechten Mitteleuropas von Wirth + Kirschbaum + div. Links ) und Makrofotos sind zur Bestimmung sehr wichtig. Wenn es dich dann erwischt hat wirst du sicher mit einer Stereolupe weiter forschen.

    Es ist spannend, bleib dabei LG Bernd

  • Hallo Thomas,

    toll das du dich mit der Flechtenbestimmung anfreunden willst, es ist spannend und hochinteressant. Aber es ist so wie Martin dir schreibt, einige Hilfsmittel ( Chemie-Myko-Service Andreas Gminder, Literatur- Flechten Mitteleuropas von Wirth + Kirschbaum + div. Links ) und Makrofotos sind zur Bestimmung sehr wichtig. Wenn es dich dann erwischt hat wirst du sicher mit einer Stereolupe weiter forschen.

    Es ist spannend, bleib dabei LG Bernd

    Vielen Dank. Dass Buch von Wirth und Kirschbau nutze ich schon. Chemie fuchse ich mich rein, bin ja schließlich Chemie-Lehrer :)

  • Hallo Martin,

    Vielen Dank für deine ausführliche Hilfe. Die Bestimmungsliteratur schau ich mir an und hoffe, dass ich mich da zurecht finde. I'll do my very best. Die Chemie-Kits besorge ich mir. DAs klappt als Chemie-Lehrer schon. Welche Konzentrationen sind denn da gefragt?

    Dann werde ich mich also erstmal auf die Blattflechten konzentrieren. Das ist tatsächlich schwierig genug für mich im Moment.

    Ich würde mich freuen, wenn ihr meine Bestimmungsversuche weiterhin kommentiert.
    Beste Grße,
    Thomas

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