Calogaya/Caloplaca pusilla?

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 947 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (22. August 2024 um 20:03) ist von KaMaMa.

  • Hallo ans Forum

    Hallo KaMaMa

    Hallo Martin,

    auch am Eggewanderweg ein Flechtenfund 08.08.24 auf kalkhaltigen -Foto- Felsbrocken ( Felsiger Hügel Kalkmagerwiese in Willebadessen) konnte einige Körnchen entnehmen. Nun meine Beschreibung zu der Flechte: Thallus mit kleinen zusammenhängenden kurzen Lappen, creme/gelb/orangefarbig. Apothecien reichlich Ø 0,2/0,3mm (Foto) dichtgedrängt, Scheibe orange/braun leicht bereift (Lupe), Rand dünn etwas heller wie Scheibenfarbe, Ascus elipsoid mit 8 Sporen, Sporen mit 2 kugeligen Zellen. Habe hoffentlich keinen Unsinn geschrieben. K+dunkelrotlila, C-negativ, P-negativ

    Etwas schwierig, könnte aber alles zu Calogaya/Caloplaca pusilla passen?:/

    Martin, was sagst du zu meinen Bestimmungsfotos? :blush:

    LG Bernd

    1 Kalkhaltiger Felsbrocken

    2

    3

    4

    5

    6 Apothecien Lupe

    7 Apotheciengröße Lupe

    8 Apothecien ohne Chemie

    9 Apothecien K+dunkelrotlila

    10 Asis mit Sporen

    11

    12

    13 Spore mit zwei Zellen

    14

    15 ???

  • Hallo Bernd,

    das sind aber überaus schöne Schönflecke da auf dem weißen Kalkstein (Marmor?). Hast du den Steinbrocken so schön ins Gras gelegt, oder lag er schon vorher so sonnig exponiert?

    Solche Sporen habe ich bisher noch nie bei Caloplaca s.lat. gesehen! Wenn ich nun unterstelle, dass nicht alle fotografierten Sporen unreif sind, sondern tatsächlich so aussehen, gelangt man beim Schlüsseln nach Wirth und Italic zu Variospora australis, einer Caloplaca mit elliptischen bis spindelförmigen Sporen OHNE das typische breite Septum (also NICHT polarilokular) und u.U. einer leichten Krümmung. Die Krümmung ist jedenfalls auf deinen Fotos zu erkennen! Diese Flechte lebt auf mehr oder minder reinem Kalkstein in sonniger Lage - aber eher an Vertikalflächen und Überhangflächen lt. Wirth, deshalb meine Frage wegen der ursprünglichen Lages des Substrates. Allerdings gilt sie als alpine Flechte oberhalb der Baumgrenzre und extrem selten nach Wirth, nur in den Bayrischen Alpen nachgewiesen.

    Typische Gebirgsflechten wie Rhizocarpon geographicum habe ich allerdings auch schon in Berlin gefunden, das muss nichts heißen.

    Ich würde - bevor ich das glauben würde - an deiner Stelle die Sache nochmal gründlichst durchchecken, u.a. auch die restliche Färbetests nachholen (P?, C?, KC?), die Sporengröße, möglichst an freien Sporen (man vermisst sich leicht, wenn sie noch im Ascus stecken), überhaupt alle Zahlenangaben z.B. bei Italic an der Probe verifizieren - das wäre natürlich schon ein tolles Ding, wenn's denn stimmen sollte.

    LG, Martin

  • Ach ja, Bild 15 zeigt Ausschnitte des Hamatheciums (steriler Anteil des Hymeniums), also den Paraphysen deiner Flechte.

    Martin

  • Hallo Martin,

    komme nicht so ganz weiter bin nochmal beim Färbetest, dazu eine Frage: Beim KC test tüpfel ich erst K dann sofort C oder wie gehe ich vor, Ergebnis ergibt bei mir dunkelrotlila wie nur bei K???:distrustful: Dann passt KC negativ bei mir nicht. C und P ist eindeutig negativ.

    Halte alles im Foto fest.

    LG Bernd

  • Hallo Bernd,

    ganz richtig; KC= erst K, warten, bis K wirkt, dann C darüber. Wie bei C ist die Reaktion schnell (max 1-2 sec), häufig schwach und meistens flüchtig. Meistens bleibt die Reaktion von K+/- unverändert (K = KC), dann setzt die bleichende Wirkung vom Chlor ein. Gelegentlich färbt sich die Flechte aber vorher um (KC+), das ist dann zu notieren.

    Ich würde meinen, wenn die Färbung von K unverändert bleibt, bewirkt die Zugabe von C nichts: Also ist KC-, negativ. Oft wird aber auch einfach KC "Farbe" geschrieben, wenn die Farbe von K zwar erhalten bleibt, was meiner Meinung nach aber nicht KC+ bedeutet.

    Klassisches Beispiel wäre Lepra/Pertusaria amara KC+ violett, vorher K-. Unbedingt mal ausprobieren, falls du die Reaktion noch nicht kennst. Sie ist sehr kräftig und beeindruckend.

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    weiter gehts mit dieser schwierigen Flechte. Deine Frage zum Felsen: ich denke er existiert seit Urzeiten in praller Sonne der Kalktriften (Foto), habe ein Stück davon mit Zitronensäure getestet, sprudelt kräftig.

    Eine neue Probe habe ich noch unters Mikro gelegt, ev. mit noch aufschlußreichen Fotos? Ein neuer Färbetest (Fotos), nach deiner Vorgabe, ist auch gemacht. Es ist keine Farbreaktion zwischen K+ dunkelrotlila (Foto 0b) und KC dunkelrotlila (Foto 0c) aufgetreten, also unverändert. Damit ist, wenn ich das richtig verstanden habe, KC-negativ!?:/ . Test mit P- negativ (Foto 0e) + C- negativ (Foto 0d). Die tief dunkelrotlila Verfärbung irritiert mich etwas, wir aber auch unterschiedlich interpretiert.

    Auch die Sporenform macht mich unsicher, habe ich so noch nicht gesehen. Bleibt die Vermutung bei Variospora aurantia oder gehen meine Tests noch in eine andere Richtung? Meine Möglichkeiten sind am Ende.

    Einfärben mit KOH habe ich mal versucht, gibt tolle Fotos.

    Wie beurteilst du nun diese schwierige Flechte? Bin gespannt.:smilec:

    LG Bernd

    0aa Kalkfelsen der Kalktriften

    0a- ohne Chemie

    0b-K+dunkelrotlila

    0c-KC-dunkelrotlila keine Änderung zu K+

    0d-C-negativ

    0e-P-negativ

    1- gefärbt mi KOH

    2 ohne Färbemittel

    3

    4

    5

    6

    7

    8

  • Hallo Bernd,

    die gezeigte Flechte ist aufgrund der gebogenen, elliptischen Sporen definitiv keine V. aurantia oder V. flavescens, beide hätten rhombische Sporen mit deutlich verdicktem Septum, wodurch sie etwas zitronenartig wirken :

    Sporen von V. aurantia (links) und V. flavescens (rechts)

    Alle von dir gezeigten Sporen sind zweizellig, aber keine ist deutlich polarilokular. Zudem alle sehen sehr ähnlich aus, weshalb ich nicht glaube, dass alle im gleichen unreifen Stadium sind. Die Sporen bei Caloplaca s.lat (und allen Teloschistaceae wie z.B. auch Xanthoria) durchlaufen einen Entwicklungsgang: sie beginnen zweizellig, dann bildet sich eine Wandverdickung im Inneren aus, wodurch sich die Zelllumina trennen. Sie bleiben allerdings über einen Plasmaschlauch miteinander verbunden, der erst am Ende der Entwicklung reißt. Der Plasmaschlauch ist manchmal etwas schwierig zu erkennen und zu fotografieren. In einem guten Flechtenbuch sind entsprechende Abbildungen enthalten.

    Hier zwei Asci eines Fruchtkörpers von Flavoplaca cf. marina: der linke ist noch unreif und hat elliptische, zweizellige Sporen, die Zellumina sind noch sehr dicht benachbart. Dann trennen sich die Zellumina, ich habe auf die Schnelle eine frei schwimmende Spore in diesem Zustand fotografiert gefunden. Darüber eine Spore einer anderen Caloplacaart, auf derem Foto der Plasmaschlauch sehr gut erkennbar ist. Rechts dann ein Ascus mit sehr reifen Sporen, der Plasmaschlauch ist kurz vor dem Abreißen. Diese Sporen haben übrigens keine Wandverdickung am Äquator wie V. aurantia (s.o.), weshalb sie elliptisch oder fast zylindrisch (wie Tictac) wirken.

    Wenn du also ausschließlich derartig ellitische Sporen ohne deutliche Trennung der Zelllumina findest, diese Form also typisch für deine Flechte ist, dann kannst du die genannten Flechten ausschließen.

    Ich nehme an, du schlüsselst nach Wirth? Caloplaca ist gesetzt:

    Teilschlüssel 3 (auf Gestein) - 1* Thallus gelb-orange, K+ purpur - 9* Apothecien gelb-orange - 13* Sporen 2-zellig - 14* Sp. ohne Wandverdickungen an den Enden - 15* nicht auf anderen Flechten - 26 Thallus gelb-orange - 58 Th. rosettig, Rand gelappt - 59* ohne Sorale, ohne Isidien =>

    65 Sporen ohne Wandverdickung am Septum, Sporen SCHMAL ellipsoid, 15-24 x 4-6 µm => V. australis

    Deine Sporen erscheinen zumindest dicker, also weiter! 65* Sporen mit Wandverdickung am Septum (da hatte ich mich in der letzten Antwort vertan, ohne wäre V. australis bestimmt - sorry!) Ich bin aber unsicher, solche Sporen habe ich bisher nicht gesehen! Calogaya pusilla hat etwas andere, typische polarilokulare Sporen, schau sie dir mal reife Exemplare bei Italic an!

    Die markierten Strukturen gelten als typische Wandverdickung einer polarilokularen Spore, somit kann V. australis natürlich ausgeschlossen werden!

    66* Sp. nicht rhomboid/zitronenförmig - 70* nicht R. elegans - 71* nicht an Meeresküsten etc - 72* nicht C. biatorina, nicht tief orangerot, Thallus < 2 cm - 73* Randlappen nicht reduziert => 74 Calogaya pusilla (Sporen 9-12 x 5-8, Septumbreite 2,5-6 µm; passen aber nicht recht, weil ev. nicht reif?) und Alternative 74* Thallus < 1,2 cm, gelb bis rot, an regengeschützten Orten - passt nicht!

    Kurz: So wie du schon längst vorgeschlagen hattest, Calogaya pusilla macht wahrscheinlich am meisten Sinn, da sie einerseits ziemlich häufig, andererseits an lichtexponierten Standorten vorkommt. Nur die Sporen irritieren... Auf der Seite bei Italic zu C. pusilla findest du jede Menge Angaben zu Dicken, Längen, Größen von allerhand makroskopischen und mikroskpoischen Strukturen, die man zu Absicherung nachmessen und mit den Angaben vergleichen könnte... :smilec:

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    tausend Dank für deine sehr ausführliche Hilfe + Dokumentation zu meiner Flechte, ohne deine Unterstützung hätten mich die Flechten nie so begeistern können, ich wäre nie so weit gekommen.:shy: Bei meinem Bestimmungsversuch hatte ich mich, unter anderen, auch bei Italic 7.0 schlau gemacht und bin dadurch auch bei Calogaya pusilla gelandet, kommt der Flechte am nächsten, also ins Archiv.

    Es wird wieder spannend, habe heute mit Bresser telefoniert und für mein Mikro ein Messokular mit Messobjektträger bestellt. Hilft mir hoffentlich beim Vermessen + Aufschlüsseln der Flechtenproben, werde mich einfuchsen müssen. Mal schauen was ich dir für Infos senden kann.

    Auf zur nächsten Flechte, LG Bernd

  • Hallo Bernd,

    du machst dich bereit für den Grad beim Flechten-/Pilzebestimmen mit Messokular?

    Das finde ich sehr gut und ich wünsche dir schon jetzt viel Spaß damit - und deiner lieben Frau Engelsgeduld.

    Du hast dir ein tolles Hobby ausgesucht. Es macht mir Freude helfen zu können, zumindest, soweit ich es kann. Zudem lerne ich beim Beantworten von Fragen immer selbst viel dazu. Also sehr gerne weiter damit! :)

    LG, Martin

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