Kurznetziger oder doch Netzstieliger Hexenröhrling?

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 1.563 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (6. August 2024 um 19:51) ist von Schupfnudel.

  • Moin,

    ich habe gerade an einer innerstädtlichen Mauer neben einer Linde diesen jungen Hexenröhrling gefunden. Während ich ihn zu diesem Zeitpunkt für einen Netzstieligen gehalten habe, frage ich mich jetzt beim Durchgehen der Fotos, ob es sich nicht doch um den Kurznetzigen halten könnte? Das Stielnetz bedeckt dann doch etwas weniger als die Hälfte des Stiels...

    Danke und LG Marc

  • Hallo Marc,

    makroskopisch gesehen und hinsichtlich der von dir angegebenen Fundstelle ist das ein ganz normaler Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus).

    Gruß Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Hallo Marc

    Es soll ja den Kurznetzigen geben, aber ob man den als normaler Sammler so äußerlich erkennen kann, ist fraglich.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Es soll ja den Kurznetzigen geben, aber ob man den als normaler Sammler so äußerlich erkennen kann, ist fraglich.

    Hallo Uwe,

    mit entsprechender Sammelerfahrung und wenn man sowohl S. luridus als auch S. mendax schon ein paar mal in der Hand hatte, dann kann man die beiden Arten, sofern sie in typischer Ausprägung erscheinen, schon makroskopisch auseinander halten. Andernfalls hilft nur das Mikro.

    Gruß Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Hallo Sepp

    Woran erkenne ich dann meinen ersten Kurznetzigen, wenn ich mal einen finden sollte?

    Grüße von der Insel Rügen

  • Hallo Uwe,

    Woran erkenne ich dann meinen ersten Kurznetzigen, wenn ich mal einen finden sollte?

    das ist eine sehr schwierige Frage. Als erstes sollten keine Linden in der Nähe sein. Dann ist die Färbung irgendwie anders. Es ist immer etwas rotes oder orangenes auf dem Hut, vor allem am Hutrand, zu sehen. Bei meinem ersten Fund war mir sofort klar. Das kann keine Netzhexe sein.


    Hier ist noch ein paar ältere Exemplare.



    Es ist einfach ein anderes Rot als ich es je bei einer Netzhexe gesehen habe. Zwei Jahre später waren sie wieder da.



    In diesem Jahr waren sie der Netzhexe durch die olivfarbene Huthaut viel ähnlicher.



    aber auch hier war wieder dieses typische Rot vorhanden. Vielleicht hilft Dir das etwas weiter und vielleicht hat Sepp auch noch die eine oder andere Erklärung.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo Jörg

    Danke für die Bilder und die Infos dazu! ????️????️????️

    Also für mich, sind seltsame Rottöne erkennbar, dann muß ich näher ran und den Pilz untersuchen.

    Dann will ich nur hoffen, es wächst etwas! ????️

    Grüße von der Insel Rügen

  • Hallo Uwe,


    um die Sache noch etwas schwieriger zu machen gibt es ja noch die hier:


    Das sind nun wieder Netzhexen (S. luridus var. rubriceps) aber auch hier ist das ein anderes Rot auf der Huthaut. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist immer noch der Sporenquotient.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo Sepp

    Woran erkenne ich dann meinen ersten Kurznetzigen, wenn ich mal einen finden sollte?

    Hallo Uwe,

    das Wesentliche hat Jörg schon erwähnt, ich kann nur nochmals kurz aus meinen Erfahrungen zusammenfassen:

    a) S. mendax hat im Vergleich zu S. luridus von oben bis unten wesentlich mehr Rotanteile.

    b) S. mendax erscheint in meinem Sammelgebiet immer kleinwüchsiger bzw. schmächtiger als typische S. luridus.

    c) S. mendax wächst (zumindest in meinem Sammelgebiet) nicht bei Linden auf Wiesen oder in Parks oder neben Mauern oder Häusern, solche Standorte werden von S. luridus bevorzugt. S. mendax erscheint bei mir stets im Laubwald oder im mit Laubbäumen (Rotbuche) durchsetzten Mischwald in oder zwischen der Laubstreu. Der Stiel sieht oberflächlich öfter so aus, wie eine Mischung aus Netzhexe und Flockenhexe.

    Mir, sowie Christoph (Dr. Christoph Hahn) und anderen Exkursionsteilnehmern ist S. mendax schon vor etlichen Jahren bei einer gemeinsamen Exkursion im meinem "Hausrevier" erstmals aufgefallen, als diese Art von Vizzini et al. noch gar nicht beschrieben war und es das Taxon Suillellus mendax daher noch gar nicht gab.

    VG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Hallo,

    b) S. mendax erscheint in meinem Sammelgebiet immer kleinwüchsiger bzw. schmächtiger als typische S. luridus.

    genau das war anfangs mein größtes Problem. Die Teile auf meinen ersten beiden Bildern hatten eine Höhe von 18 cm. In der Originalbeschreibung wird aber auch eine Größe bis 20 cm angegeben.

    c) S. mendax wächst (zumindest in meinem Sammelgebiet) nicht bei Linden auf Wiesen oder in Parks oder neben Mauern oder Häusern, solche Standorte werden von S. luridus bevorzugt. S. mendax erscheint bei mir stets im Laubwald oder im mit Laubbäumen (Rotbuche) durchsetzten Mischwald in oder zwischen der Laubstreu.

    Bei mir wächst der auf einer Grünfläche in der Mitte einer Buswendeschleife unter Eichen in meinem Wohngebiet, also kein Wald. Als Begleitpilze kann ich in ein paar Metern Entfernung noch Flockis angeben. Der scheint also im Gegensatz zur Netzhexe nicht unbedingt Kalk zu brauchen. In meinen Parkanlagen habe ich den aber auch noch nicht gesichtet. Das wichtigste optische Merkmal dürfte die ungewöhnliche Hutfarbe zu sein.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo Jörg

    Dann scheint es doch wieder so, als wenn die Bestimmungen nicht immer hundertprozentig sein müssen/können.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Bei mir wächst der auf einer Grünfläche in der Mitte einer Buswendeschleife unter Eichen in meinem Wohngebiet, also kein Wald. Als Begleitpilze kann ich in ein paar Metern Entfernung noch Flockis angeben. Der scheint also im Gegensatz zur Netzhexe nicht unbedingt Kalk zu brauchen. In meinen Parkanlagen habe ich den aber auch noch nicht gesichtet. Das wichtigste optische Merkmal dürfte die ungewöhnliche Hutfarbe zu sein.

    Hallo Jörg,

    das finde ich interessant. In meiner Heimatregion erscheinen S. luridus u. S. mendax stets nur auf kalkhaltigem Untergrund, während ich Flockis nur auf kalkarmen, sauren Boden finden kann. So nah beeinander habe ich noch nie Kurznetzige bzw. Netzhexen und Flockis gefunden.

    Es mag aber sein, dass in manchen Gegenden/Arealen kalkreiche u. kalkarme Zonen aneinander grenzen oder das es unterschiedliche Einlagerungen im Boden gibt und auf der einen Seite wächst dann dies und auf der anderen was anderes.

    Auch die Oberflächenversäuerung spielt meiner Erfahrung nach eine Rolle. Manche kalkliebenden Arten erscheinen auch noch bei einer gewissen Oberflächenversäuerung auf kalkhaltigem Untergrund. Andererseits genügt manchen Pilzarten, die normalerweise eher nur in sauren Nadelwäldern vorkommen, auch schon eine Oberflächenversäuerung auf kalkreichem Boden für deren Erscheinen.

    VG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Hi.


    S. mendax ist überwiegend von sauren Böden beschrieben, aber vermutlich sind saure Bodenverhältnisse nicht zwingend für das Vorkommen der Art. Funde auf sauren Böden sind aber häufiger.

    Es wird denke ich öfters mal Funde geben, die sich rein makroskopisch nicht sicher einer Art zuordnen lassen. Dafür sind beide zu variabel und harte Abgrenzungsmerkmale gibt's nicht so wirklich. Am besten funktioniert wohl noch der Sporenquotient - aber selbst der ist nicht 100%ig zuverlässig.


    LG.

    Keine Verzehrfreigaben meinerseits.

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