Fünf Täublinge

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 750 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (3. August 2024 um 20:07) ist von Bihlerben.

  • Guten Tag,

    ich habe gestern mehrere Täublinge gefunden und versucht, diese zu bestimmen. Klingen meine Vorschläge plausibel? Aus praktischen Gründen liegen die Fruchtkörper auf Tellern. Dies ist kein Beweis für Verzehrabsicht. ;)

    Standort: immer saurer Fichtenwald, in den auch Kiefern, Weißtannen, Eichen, Birken und am Rand Buchen eingestreut sind.


    Täubling 1 -> Russula integra?

    Hutbreite: 7,5 cm
    Geschmack: völlig mild
    Geruch: nicht vorhanden
    Fleisch: keine Verfärbung beobachtet
    Stiel: weiß mit ockerfarbigen Flecken
    Huthaut: kaum abziehbar (bei Winkler ein wichtiges Schlüsselkriterium)
    Blätter: splitternd, an der Anwachsstelle am Stiel gegabelt
    Sporenpulverfarbe: IVe

    Die Gruppe stand nahe beieinander. Die Blätter des großen, alten Exemplars sind dottergelb, bei den jungen Fruchtkörpern war kein Sporenabwurf vorhanden. Durch die Nähe der Fruchtkörper und die ähnliche Hutfärbung komme ich zum Schluß, daß alles dieselbe Art ist - mit einem Rest von Unsicherheit.

    Im Winkler komm ich mit den Merkmalen "milder Geschmack", "Farbe IVe", "mittlere bis große, festfleischige Art", "Hut weinrot bis oliv ohne Buckel", "Stiel weiß", "unter Nadelbäumen" schnurstracks zum Braunen Ledertäubling.


    Täubling 2 -> Russula ochroleuca?

    Hutbreite: 9,5 cm
    Geschmack: leicht schärflich
    Geruch: unbedeutend
    Stiel: weiß, ockerlich überhaucht
    Blätter: splitternd
    Stiel: dick und sehr weich
    Sporenpulverfarbe: weißlich (nur ganz wenige Sporen abgeworfen)

    Der Pilz ist größer und der Hut grünstichiger als ich das von den Ockertäublingen hier kenne, aber mit den Merkmalen bleibt für mich gar nichts anderes übrig als Russula ochroleuca.



    Täubling 3 -> Russula puellaris?

    Hutbreite: 4,5 cm
    Geschmack: völlig mild
    Geruch: angenehm fruchtig, nicht stark
    Huthaut: zur Mitte hin halb abziehbar
    Hut: mit stumpfem Buckel in der Mitte, diese ist dunkler gefärbt und hat einen olivbräunlichen Farbton
    Sporenpulverfarbe: kaum Sporen abgeworfen, unter dem Mikroskop wirken diese gelblich, daher Vermutung: II-III
    Stiel: weich, nach Berührung gilbend

    Die Datenlage ist nicht gut. Durch Hin- und Herirren im Winkler-Schlüssel komme ich auf den Milden Wachstäubling. Dessen Geruch sollte laut Winkler unbedeutend sein, ich meine hier aber, einen angenehmen Geruch zu erkennen.


    Täubling 4 -> Russula emetica?

    Hutbreite: 2,5 cm
    Stielhöhe: 3 cm
    Hutfarbe: leuchtend rot
    Geschmack: brennend scharf
    Sporenpulverfarbe: nicht zu ermitteln, vermutlich weiß, da die Blätter bisher weiß geblieben sind

    Leider ist der Pilz eine Ruine und daran sind die Schnecken schuld. Dennoch hätte ich gesagt, daß auf Moos im Fichtenwald mit diesen Merkmalen nur der Kirschrote Speitäubling übrigbleibt.


    Täubling 5 -> Russula foetens?

    Hutbreite: 9 cm
    Stielhöhe: 6 cm
    Hut: Rand stark gerieft, Hutmitte wellig oder etwas buckelig
    Huthaut: am nächsten Tag nur wenig abziehbar
    Geruch: unangenehm, etwas an Chemikalien erinnernd, etwa wie Mycena renati (wird von meiner Familie so nicht bestätigt, ist also ein individueller Eindruck)
    Geschmack: anfangs mild, später schärflich werdend
    Sporenpulverfarbe: IId
    Blätter: Schneiden gleichfarbig wie die Lamellen

    Im Winkler braucht man für den Schlüssel mikroskopische Merkmale, auf die ich aus Mangel an Erfahrung und Zeit leider verzichten muß. Im Nadelwald und häufig wäre aber der Gemeine Stinktäubling naheliegend. Daher wäre das eine Vermutung mit offensichtlicher Unsicherheit.


    Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.


    Viele Grüße,

    Benjamin

  • Hallo Benjamin,

    #1: Problematisch ist die Angabe zum Habitat. Da es dort neben Laub- auch Nadelbäume gibt, kann ich hier, insbesondere wegen der ungewöhnlich dunkel (IVe! <-> l. Täublingsliteratur IVc-d) angegebenen Sporenpulverfarbe ohne Mikroskopie nichts genaueres sagen. Im reinen Nadelwald fällt mir gerade keine Alternative ein, bei Funden im Mischwald müsste man vielleicht doch reinlinsen.

    #2: Für mich eindeutig R.ochroleuca. Der Hut darf auch einen Grünstich haben.

    #3: Du könntest zwar mit einem der gilbenden Zwergtäublinge richtig liegen, zur Unterscheidung braucht es aber den genauen Mykorrhizapartner und die exakte Sporenpulverfarbe. R.puellaris wächst typischerweise unter Fichte, riecht kaum und gilbt sehr stark (über Nacht liegen lassen!) bei nur cremefarbenen (II) Sporenpulver. Wie sieht denn der Frkp. einen Tag später aus?

    #4: Bei den Echten Spei-Täublingen sollte man Guajak auftragen, falls diese aus einem Mischwald stammen. R.emetica & R.silvestris sind negativ, die anderen positiv. Der vorliegende Habitus spricht gegen R.emetica und angenommen der Pilz sei Guajak negativ für R.silvestris.

    #5: R.foetes o. R.subfoetens, per Sporenmikroskopie zu unterscheiden.

    VG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • #1: Das Beurteilen der Sporenpulverfarbe fällt mir schwer. Im Winkler sind für Farbe IV zwei eigene Kästchen vorhanden: IVa und IVe, da paßt das Sporenpulver eindeutig besser zu IVe. Im Spektrum darüber ist die Zuordnung nicht so klar. Es könnte schon auch heller sein. Im Schlüssel unterscheidet der Winkler nicht nach den Unterabstufungen, deshalb war mir das immer nicht so wichtig. Jetzt habe ich aber gesehen, daß der Winkler für Russula integra wie du das Farbspektrum IVc-d angibt, das hätte mich nachdenklich stimmen müssen.

    Was ist die richtige Vorgehensweise? Am Kästchen mit dem Farbübergang zu versuchen, die Unterabstufung besser einzuschätzen? Oder ein Buch kaufen, in dem für die Unterabstufung ein eigenes Kästchen vorhanden ist? Oder nur dann, wenn man knapp danebenliegt (so wie ich in diesem Fall), nochmal versuchen, die Unterabstufung nachzuschätzen? Das birgt natürlich die Gefahr, daß man genau das schätzt, was herauskommen soll... ;)


    #3: So sieht der Fruchtkörper heute (also einen Tag später) aus:


    Der Stiel ist vor allem da gelbbräunlich geworden, wo ich ihn angefaßt habe - am Stielgrund. Würdest du das "gilbt stark" nennen? Oder hättest du bei R. puellaris noch mehr Gelb (und weniger Braun?) erwartet?


    #4: Bei dem Speitäubling bin ich mir ziemlich sicher, daß rundherum nur Fichten waren (ich denke: in einem Umkreis von mindestens 20 Metern), das spricht vielleicht leicht gegen R. silvestris. Guajak hab ich leider nicht, ich setz es auf meine Wunschliste für die nächste Bestellung... :)


    Vielen Dank für die Rückmeldung!

    Benjamin

  • Hallo,


    Eine gute Farbtabelle bekommt man übrigens zur digitalen Version von Russularum Icones. Das mit der Feinabstufung ist immer so eine Sache und bei vielen Arten auch in einem von - bis Bereich. So nach Bild würde ich meinen, dass IVe als zu dunkel interpretiert ist also könnte der Punkt wieder passen. Die Unsicherheit bleibt, wenn Laubbäume im Umkreis standen.


    Zu #3: Das ist mir zu wenig Verfärbung für R.puellaris. Da du eine sehr sauren Standort erwähnst könnte man mit dieser gelb-braunen Stielbasis über R.brunneoviolacea nachdenken. Aber ohne Abwurf ist das alles wenig belastbar und diese Art kenne ich nicht genau.


    Der Kiefern-Speitäubling braucht nicht zwingend eine Kiefer soweit ich weis. Für R.emetica s.str. ist er mir zu schmächtig. Weitere Gewissheit bringt wohl nur die Sporengröße.


    VG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

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  • In Ordnung, vielen Dank. Dann werde ich mit dem Dazugelernten genauere Bestimmungsversuche unternehmen, wenn ich neue Fruchtkörper finde. Das hat mir sehr weitergeholfen.


    Viele Grüße,

    Benjamin

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